Den Wildbienen und Schmetterlingen auf der Spur

NaturbeobachterInnen aufgepasst!

Jedes Jahr beschäftigt sich das Projekt StadtWildTiere Zürich mit einer anderen Tierart, die in der Stadt Zürich zu finden ist. Heuer liegt der Fokus auf blütenbestäubenden Insekten. Um ihr Vorkommen auf verschiedenen Grünflächen einzuschätzen, wird die Bevölkerung aufgefordert, ihre Beobachtungen dem Projekt zu melden. Wer diesen Herbst Insekten sowie Stadttiere auf seinem Grundstück besonders unterstützen möchte, kann seinen Garten igelfreundlich gestalten.

Blütenbestäubende Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge sind im Ökosystem unersetzlich, weil sie die Fortpflanzung der meisten Pflanzen sicherstellen. Doch genau dieses ist nun in Gefahr: Seit Jahrzehnten sind einheimische Bienenarten vom Aussterben bedroht und zahlreiche gebietsfremde Insektenarten zerstören die lokale Natur. Um feststellen zu können, welche Insektenarten gefördert und gegen welche vorgegangen werden sollte, um ein gesundes Ökosystem aufrechtzuerhalten, bedarf es einer genauen Beobachtung.

Dieser Aufgabe nimmt sich das Projekt StadtWildTiere vom Verein StadtNatur Zürich gemeinsam mit dem Freiwilligennetzwerk StadtNaturBeobachterInnen an. So wird das Vorkommen der Insektenarten in verschiedenen Grünraumelementen wie Gärten, Parkanlagen und Verkehrsinseln untersucht. Dazu wurden von Juni bis September systematische Aufnahmen in einigen Grünflächen der Stadt Zürich gemacht. Mit dem Ende des Sommers treten neue Bienen- und Schmetterlingsarten in den Fokus, die im Spätsommer und Herbst besonders aktiv sind. Dazu gehören unter anderem die Efeu-Seidenbiene, die Blauschwarze Holzbiene und der Distelfalter. Freiwillige werden aufgefordert, ihre Berichte und Fotos dem Projekt seiner Webseite mitzuteilen.

Ein Foto der Asiatischen Mörtelbiene

Die Asiatische Mörtelbiene ist die erste und einzige invasive Biene in Europa. Bild: Redecker/beeradar.info

Die Beobachtungen dienen einerseits dazu, aktuelle Verbreitungskarten der Arten zu erstellen, sagt Wildtierbiologin Anouk Taucher vom Projekt StadtWildTiere. Andererseits beantworten die Beobachtungen einige wissenschaftliche Fragestellungen. So interessiert sich das Projekt dafür, welchen Einfluss kleine städtische Grünflächen auf die Verbreitung von Wildbienen- und Schmetterlingsarten haben.

Ausschau halten

Von besonderem Interesse sind die Sichtungen der Asiatischen Mörtelbiene, der ersten und einzigen invasiven Wildbiene in Europa. So verhält sie sich gegenüber einheimischen Wildbienen aggressiv und räumt ihre Nester für den Eigengebrauch aus. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst Japan, China, Korea und Taiwan. Hierzulande wurde sie zum ersten Mal vor gut zehn Jahren gesichtet und hat sich inzwischen in alle Regionen der Schweiz ausgebreitet. Sie sammelt vor allem Pollen von asiatischen Pflanzen, die als Zierpflanzen gehalten werden. Die Weibchen der Asiatischen Mörtelbiene fallen aufgrund ihrer Grösse von 21 bis 27 mm auf und gleichen der Blauschwarzen Holzbiene, die in Genf, im Wallis, sowie in der Südschweiz anzutreffen ist.

Wer ebenfalls vermehrt den Weg in unsere Breitengrade findet, ist der wärmeliebende Brombeer-Perlmutterfalter. Dieser breitet sich im Zuge des Klimawandels immer weiter nach Norden aus und wurde auch in grossen Teilen der Mittelschweiz gesichtet. Um seine Verbreitung genauer einschätzen zu können, wird die Bevölkerung gebeten, Sichtungen dieses orangen Schmetterlings mit Punktemuster zu melden.

Nahaufnahme eines Perlmutterfalters

Der Brommbeer-Perlmutterfalter mag es warm und breitet sich mit dem Klimawandel immer weiter gen Norden aus. Bild: kenantalas@gmail.com/Depositphotos

Die Folgen des Insektensterbens

Die Zahl der Insekten in der Schweiz sinkt stetig, unter anderem als Folge des Einsatzes von Pestiziden und Insektiziden. «Die Folgen des Insektensterbens sind sowohl für den Menschen als auch für die Umwelt dramatisch, wenn auch schwierig einzuschätzen», sagt Anouk Taucher. So werde mit einer Abnahme der Insekten die Bestäubungsleistung zurückgehen, was geringere Ernten bedeutet. Ebenfalls können sich potenziell invasive Schadorganismen besser verbreiten, wenn diejenigen Insektenarten, welche die Schädlinge üblicherweise in Schach halten, ausgestorben sind oder nur noch in kleinen Gruppen vorkommen.

Auch die Zersetzung von organischem Material werde durch das Insektensterben reduziert und die Nahrungsgrundlage vieler Vogel-, Fisch- und Säugetierarten ginge entsprechend verloren, so Taucher. Das betreffe auch den Igel, der sich vor allem von Insekten ernährt und Ende Herbst genug Futter finden muss, um dem Winter standzuhalten.

Eine weisse Blume wird mit einem Insektizid bespritzt.

Der übermässige Einsatz von Pestiziden und Insektiziden zählt zu den grössten Verursachern des Insektensterbens. Bild: ginasanders/Depositphotos

Igel willkommen

Auf der anderen Seite bereitet der Igel dem Menschen kaum Unannehmlichkeiten, denn Obst und Gemüse isst er sehr wenig und nur, um seinen Durst zu löschen. So knabbert er manchmal an Beeren und Äpfeln, weil er ihren süssen Geschmack mag. Doch die Verdauungsorgane des Igels sind nicht auf pflanzliche Stoffe, sondern hauptsächlich auf die Verdauung von Insekten ausgelegt. So machen Insekten, Larven, Würmer und Schnecken den Grossteil seiner Nahrung aus.

Deswegen setzt sich der perfekte Garten für den Igel aus unterschiedlichen einheimischen Pflanzen zusammen, die viele Insekten anlocken. «Dem Igel kann geholfen werden, indem Insekten gefördert werden», so Anouk Taucher. Ein naturnaher Garten mit einheimischen Sträuchern und Büschen bietet einen geeigneten Lebensraum für Insekten und ist für den Igel perfekt. Wichtig ist es, auf Pestizide und Insektizide im igelfreundlichen Garten zu verzichten und dem Stacheltierchen genügend Versteckmöglichkeiten anzubieten. Der kleine Gartenbewohner macht es sich gerne im Asthaufen, in einem dicken Gebüsch oder in einem Igelhaus gemütlich.

Zu beachten ist auch, dass der Igel die Möglichkeit haben sollte, überhaupt in den Garten zu gelangen. Bereits Stufen von über 30 cm stellen für ihn ein Hindernis dar. Mit einem Loch im Zaun oder einer entfernten Zaunlatte kann der Igel den Garten betreten. In einer Nacht kann der Igel bis zu fünf Kilometer zurücklegen und dabei viele Gärten nach Futter durchsuchen.

Ein Igel ist abgebildet, hinter ihm sind unreife Erdbeeren zu sehen.

Manchmal knabbert der Igel an Äpfeln oder Beeren, weil er deren süssen Geschmack mag. Bild: Akimovs/Depositphotos

Zufüttern oder nicht zufüttern?

Bis Ende Oktober suchen Igel besonders aktiv nach Nahrung, da sie sich für den Winterschlaf vorbereiten. Wegen vermehrter zubetonierter Flächen, der immer grösser werdenden Gewerbegebiete und den Monokulturen gestaltet sich ihre Nahrungssuche schwer. Gleichzeitig finden sie auch weniger Möglichkeiten für Unterschlupf und sind ihren Fressfeinden öfter ausgeliefert. Nicht zuletzt macht ihnen der Klimawandel zu schaffen, denn durch die vorzeitig wärmer werdenden Temperaturen im Frühling werden sie zu früh aus dem Winterschlaf geweckt und finden zu wenig Nahrung.

Generell gilt es, die Igel nicht zuzufüttern, betonen die Fachleute des Igelzentrums Zürich. Auch wenn die Anzahl der Insekten stetig abnimmt, sollten die Vierbeiner ihr Futter auf eigene Faust finden. Wenn Menschen über einen längeren Zeitraum den Igeln Futter gäben, würde sich eine Überpopulation bilden, die mit dem vorhandenen Futter ohne die Zufütterung nicht überleben könnte. Nur in Ausnahmesituationen darf Igeln Katzenfutter gegeben werden. So können Igel, die im Spätherbst weniger schwer sind als das nötige Winterschlafgewicht von 500 bis 600 g, zugefüttert werden. Das gleiche gilt für Igel, die im Spätwinter zu früh aus dem Winterschlaf erwachen, wenn der Boden noch zugefroren ist oder über längere Zeit sehr tiefe Temperaturen herrschen.

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