Sprachschulen haben eine besondere Herausforderung

Ein Deutsch-Lehrbuch plus ein Handy mit Deutsch-App liegen auf dem Tisch
Aktuell verlagert sich das Büffeln von Wörtern vielerorts in die eigenen vier Wände. Bild: YGphoto /Depositphotos

Ob willkommen oder nicht: Die Coronapandemie hat die Digitalisierung weiter beschleunigt. Für integrative Sprachschulen ist die erzwungene Abkehr vom Präsenzunterricht mit zusätzlichen Hürden verbunden gewesen.

Sprachschulen – Die Coronapandemie hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Das von manchen mehr, von anderen etwas weniger. Abhängig unter anderem auch davon, in welcher Branche jemand tätig ist – ist doch nicht jede gleich stark von der Pandemie betroffen.

Auch Sprachschulen bilden dabei keine Ausnahme. Gerade solche, die sich an eine schulungewohnte Zielgruppe richten, mussten und müssen auf die veränderten Bedingungen reagieren und Anpassungen vornehmen.

Denn wurde mancherorts aufgezeigt, wie rein traditionelle Organisations- und Unterrichtsstrukturen unter solchen Umständen an ihre Grenzen stossen können.

Konkret bedeutet dies, dass der Digitalisierungsschub wie in anderen Bereichen auch eine zusätzliche Beschleunigung erfahren hat. Dies hat sich auf Sprachschulen mit einer schulungewohnten Zielgruppe umso stärker ausgewirkt, als dass diese oftmals Mängel beim Lesen, Schreiben, aber auch bei Informatikkenntnissen und Mathematik aufweist.

Mehr als eine Sprachschule

Wer mit Menschen zu tun hat, die sich sprachlich oftmals nur rudimentär verständigen können und auch kaum über eine Infrastruktur zur Nutzung digitaler Medien verfügen, setzt entsprechend auf den direkten Kontakt.

Dies erklärt, weshalb die Kurse von mancher Sprachschule aus dem integrativen Bereich bis vor der Coronapandemie ausschliesslich im Präsenzunterricht stattfanden.

Die Präsenzunterrichtsstunden in den Räumlichkeiten der Sprachschulen waren zudem für viele Teilnehmende die einzige Möglichkeit des sozialen Austausches und damit auch der sozialen Integration.

Die Charakteristika der Zielgruppe schienen somit ein Festhalten an erprobten Kursformaten und didaktischen Konzepten zu rechtfertigen, nicht zuletzt auch seitens der Kursleitenden.

Unmittelbares Reagieren war gefragt

Das coronabedingte Verbot des Präsenzunterrichts veränderte freilich alles. Manche Sprachschule war gewillt, den Unterricht weiterzuführen und wurde entsprechend dazu gezwungen, unmittelbar zu reagieren. Die Herausforderungen waren erheblich.

Nebst dem, dass die üblichen Unterrichtsformate an digitale Formate angepasst werden mussten, standen von einem Tag auf den anderen grössere Investitionen in Technologien (u.a. Geräte, Lizenzen, Plattformen) an. Und natürlich musste das Personal umgehend geschult werden.

Eine zusätzliche Herausforderung dabei: Analoge Formate lassen sich nicht eins zu eins digitalisieren. Zudem wirken sich die Besonderheiten des digitalen Unterrichts auch auf die Rollen der Kursleitenden aus und haben Auswirkungen auf die Arbeitszeitgestaltung.

Der in Präsenzveranstaltungen praktizierte Unterricht eignete sich wenig für Onlineformate; gefragt waren jetzt vielmehr Moderationskompetenzen. Überdies mussten Kursleitende in die Rolle von E-Tutoren schlüpfen.

Linguista