{"id":9301,"date":"2021-06-14T05:17:34","date_gmt":"2021-06-14T05:17:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/?p=9301"},"modified":"2022-06-16T08:49:52","modified_gmt":"2022-06-16T06:49:52","slug":"die-kinder-wollen-mit-mir-nicht-ueber-ihre-krankheit-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/die-kinder-wollen-mit-mir-nicht-ueber-ihre-krankheit-sprechen\/","title":{"rendered":"\u00abDie Kinder wollen mit mir nicht \u00fcber ihre Krankheit sprechen\u00bb\u00a0"},"content":{"rendered":"<h3>Wenn Kinder nach einer Operation oder krank im Spital liegen und Tr\u00fcbsal blasen, ist der Moment f\u00fcr die Traumdoktoren gekommen. Sie lassen mit ihren Auftritten die jungen Patienten ihre Krankheit zumindest einen Moment lang vergessen. Einer von ihnen ist Antonio Morano alias Dr. Ahoi.<\/h3>\n<p>Sie tragen einen weissen Kittel und weibeln im Spital von Zimmer zu Zimmer. Doch sind sie nicht da, um eine Diagnose zu \u00fcberbringen oder sich nach dem Gesundheitszustand der Patientinnen zu erkundigen, sondern, um Heiterkeit und Ablenkung zu bringen. Die Rede ist von den Traumdoktoren der Stiftung Theodora.<\/p>\n<p>Einer von ihnen ist Antonio Morano, besser bekannt als Dr. Ahoi. Der weisse Kittel deutet zwar auf einen Doktor hin, jedoch nur auf den ersten Blick. Denn dieser ist mit verschiedenen Seefahrermotiven geschm\u00fcckt, unter anderem blitzt eine Fischflosse aus der Jackentasche. Zudem zieren eine Kapit\u00e4nsm\u00fctze und eine Clownnase sein Antlitz und er ist mit einer Ukulele ausger\u00fcstet.<\/p>\n<p>So ist der geb\u00fcrtige Horgemer aktuell im Auftrag der <a href=\"https:\/\/ch.theodora.org\/de\">Stiftung Theodora<\/a> regelm\u00e4ssig in den Kantonsspit\u00e4lern Graub\u00fcnden und Luzern unterwegs. Die Stiftung Theodora wurde 1993 von den Br\u00fcdern Andr\u00e9 und Jan Poulie im Andenken an ihre Mutter Theodora gegr\u00fcndet und finanziert sich \u00fcber Spendengelder, sprich f\u00fcr die Spit\u00e4ler entstehen keine Kosten. Ausserdem \u00fcbernimmt die Stiftung die Organisation der Spitalbesuche.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14300\" aria-describedby=\"caption-attachment-14300\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-14300\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Portrait-des-Dr-Ahoi-in-Seemannsuniform-mit-rotem-Punkt-auf-der-Nase-und-einem-aufblasbarem-Clownfisch.jpg\" alt=\"Portrait des Dr Ahoi in Seemannsuniform, mit rotem Punkt auf der Nase und einem aufblasbarem Clownfisch\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Portrait-des-Dr-Ahoi-in-Seemannsuniform-mit-rotem-Punkt-auf-der-Nase-und-einem-aufblasbarem-Clownfisch.jpg 508w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Portrait-des-Dr-Ahoi-in-Seemannsuniform-mit-rotem-Punkt-auf-der-Nase-und-einem-aufblasbarem-Clownfisch-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Portrait-des-Dr-Ahoi-in-Seemannsuniform-mit-rotem-Punkt-auf-der-Nase-und-einem-aufblasbarem-Clownfisch-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14300\" class=\"wp-caption-text\">Ein Bild aus vergangenen Tagen: Dr. Ahoi ohne Hygienemaske unterwegs im Stadtspital Triemli. Bild: Pascal Lauener<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Nicht nur Kinder im Spital kommen zum Zug<\/h2>\n<p>Die Stiftung Theodora unterh\u00e4lt neben jenem der Traumdoktoren weitere Programme. Bei der Operationsbegleitung begleiten die Traumdoktoren die kleinen Patienten vor und nach chirurgischen Eingriffen, als Herr und Frau Traum besuchen professionelle Artisten Institutionen f\u00fcr Kinder mit Behinderung, das aus einem Artisten-Trio bestehende kleine Orchester der Sinne ist eine musikalische und interaktive Animation, die sich ebenfalls gezielt an Kinder mit Behinderung richtet und im Programm die kleinen Champs begleiten spezifisch ausgebildete Theodora-K\u00fcnstlerinnen Kinder und Jugendliche mit \u00dcbergewicht in Gruppenangeboten und integrieren sich als humorvolle und motivierte Teilnehmende.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit FonTimes verriet Antonio Morano unter anderem, weshalb die Hygienemaske ihn zu Beginn zum Improvisieren zwang, warum die Kinder aktuell auf seine Modellierballone verzichten m\u00fcssen und weshalb die Spitalbesuche manchmal auch f\u00fcr ihn eine therapeutische Wirkung haben.<\/p>\n<p><strong>Herr Morano, wie fast jeder Beruf wird auch Ihrer als Traumdoktor mittlerweile seit \u00fcber einem Jahr durch die Coronapandemie beeinflusst. In welchem Umfang k\u00f6nnen Sie aktuell \u00fcberhaupt Spitalbesuche durchf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Seit letztem Herbst k\u00f6nnen wir bei fast allen Spit\u00e4lern, denen wir vor Ausbruch der Pandemie unsere Besuche abstatteten, wieder vorbeigehen. Die einzige Ausnahme bildet in meinem Fall das Stadtspital Triemli in Z\u00fcrich, welches ich jeweils im Zweiwochenrhythmus besuchte.<\/p>\n<p>Seit dem Lockdown im Fr\u00fchjahr 2020 haben wir Traumdoktoren dort nicht mehr vorbeischauen k\u00f6nnen. Die Kinder im Triemli m\u00fcssen jedoch nicht komplett auf uns verzichten. So drehen wir witzige und musikalische Videos, welche die kleinen Patientinnen auf den Tablets der Kinderklinik schauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Welche zus\u00e4tzlichen Hygienemassnahmen gelten f\u00fcr Traumdoktoren nun?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stiftung hat im letzten Jahr ihr schon zuvor umfangreiches Hygienekonzept mit der Unterst\u00fctzung der Vertrauens\u00e4rztin Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim BAG, angepasst.<\/p>\n<p>Das Tragen der Maske, das Desinfizieren der H\u00e4nde und des Zubeh\u00f6rs, die maximale Anzahl Personen in einem Zimmer sowie der Coronavirus-Check sind nur ein paar der Punkte, die in diesem Dokument aufgef\u00fchrt sind. Ausserdem m\u00fcsftriemlisen wir einen gewissen Mindestabstand zu den Kindern einhalten und d\u00fcrfen ihnen keine Gegenst\u00e4nde reichen.<\/p>\n<p><strong>Wie stark haben Sie durch die zus\u00e4tzlichen Hygienemassnahmen Ihre Auftritte anpassen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Auf einige Komponenten wie Modellierballone, Gadgets und kleine Geschenke muss ich nun verzichten. H\u00e4ndesch\u00fctteln ist nat\u00fcrlich auch kein Thema, genauso wenig das Pusten von Seifenblasen. In solchen F\u00e4llen muss man improvisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So umgehe ich das Pusten mit einem kleinen Handventilator. Den gr\u00f6ssten Einschnitt bildet jedoch tats\u00e4chlich das Tragen der Maske, da Clowns und generell K\u00fcnstler viel mit der Mimik arbeiten. Erst mit der Zeit realisierte ich, wie ich trotz Maske mit meinem Gesichtsausdruck spielen kann. Daf\u00fcr ist der Augenkontakt sehr wichtig.<\/p>\n<p>Ausserdem konzentriere ich mich nun verst\u00e4rkt darauf, meine Stimme und deren Lautst\u00e4rke zu variieren. Es l\u00e4sst sich auch nonverbal \u00fcber die K\u00f6rpersprache mit verschiedenen Posen gut kommunizieren. Inzwischen funktioniert es bestens und den Kindern f\u00e4llt die Maske kaum mehr auf. Zumal die rote Nase nun eben auf der Maske prangt (lacht).<\/p>\n<p><strong>Wie sehr haben Ihnen die Spitalbesuche im vergangenen Jahr gefehlt?<\/strong><\/p>\n<p>Es war sehr ungewohnt, darauf verzichten zu m\u00fcssen. Die Besuche dienen nicht nur dem Kind zur Erheiterung und Ablenkung, sondern bilden auch f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen eine willkommene Abwechslung \u2013 wir sind gewissermassen Seelendoktoren, die positive Energie verspr\u00fchen. Ich habe das Gef\u00fchl, die Freude \u00fcber unsere Besuche ist nun sogar noch gr\u00f6sser, was f\u00fcr uns wiederum enorm motivierend wirkt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14293\" aria-describedby=\"caption-attachment-14293\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-14293\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-macht-ein-Selfie-im-Kantonspital-Chur..jpg\" alt=\"Dr Ahoi macht ein Selfie im Kantonspital Chur.\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-macht-ein-Selfie-im-Kantonspital-Chur..jpg 338w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-macht-ein-Selfie-im-Kantonspital-Chur.-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-macht-ein-Selfie-im-Kantonspital-Chur.-150x225.jpg 150w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-macht-ein-Selfie-im-Kantonspital-Chur.-300x451.jpg 300w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-macht-ein-Selfie-im-Kantonspital-Chur.-279x420.jpg 279w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14293\" class=\"wp-caption-text\">Auch Dr. Ahoi geht mit der Zeit, zum Beispiel mit einem Selfie. Bild: Riccardo Goetz<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie muss man sich die Ausbildung zum Traumdoktoren vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stiftung Theodora bildet grunds\u00e4tzlich nur Traumdoktoren aus, wenn Bedarf besteht, was nicht jedes Jahr der Fall ist. Ist die Stelle ausgeschrieben, k\u00f6nnen sich ausgebildete K\u00fcnstlerinnen bewerben. Die Stiftung f\u00fchrt anschliessend Gespr\u00e4che mit den Bewerbern und entscheidet, welche als Kandidatinnen aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Anschliessend folgt eine einj\u00e4hrige Ausbildung. Diese ist in verschiedene Bl\u00f6cke unterteilt, die eine ganze Woche oder auch nur ein Wochenende dauern k\u00f6nnen und theoretische Teile genauso beinhaltet wie k\u00fcnstlerische, technische und psychologische.<\/p>\n<p>Auch das Erscheinungsbild wird thematisiert. Sp\u00e4ter kommt der Ausbildungspart im Spital hinzu. Bei den ersten vier bis sechs Besuchen geht der Kandidat als Zuschauer mit einer Traumdoktorin mit. Im n\u00e4chsten Schritt darf der Kandidat sich selbst einen Traumdoktorenkittel \u00fcberstreifen und als Praktikant mitgehen. Wir haben erfahrene Ausbildnerinnen, die den Kandidaten \u00fcber die Schulter schauen und ihnen Feedbacks zu den Auftritten geben.<\/p>\n<p>Wenn die Ausbildner und der Kandidat die Ziele erreicht sehen und es beidseits stimmt \u2013 meist nach rund einem Jahr \u2013 kann der Kandidat seine Karriere als Traumdoktor offiziell beginnen. Im ersten Jahr ist er dabei nie alleine unterwegs, sondern stets mit einem Traumdoktor, der bereits mehr Erfahrung aufweist.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fcher wart ihr als Spitalclowns bekannt, nun seid ihr als Traumdoktoren unterwegs. Der Namenswechsel ist kein Zufall, denn sind die Besuche bei den Kindern beileibe nicht nur leichte Unterhaltung. Ernste Gespr\u00e4che sind keine Seltenheit.<\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Wir Traumdoktoren sind professionelle Improvisationsk\u00fcnstler. Entsprechend breit ist unsere Palette an F\u00e4higkeiten und Talenten: Clowndarbietungen, Comedy, zaubern, Geschichten erz\u00e4hlen, musizieren. Die Kunst besteht darin, sich beim Kind f\u00fcr jenes Auftreten zu entscheiden, welches unter den gegebenen Umst\u00e4nden am passendsten ist.<\/p>\n<p>Dies bedeutet auch, dass ich vor dem Betreten des Spitalzimmers nie genau weiss, was ich tun werde. Sobald ich die T\u00fcr \u00f6ffne und mich als Dr. Ahoi vorstelle, muss ich analysieren, wie die Anwesenden auf meinen Besuch reagieren, was viel Improvisationstalent und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen erfordert \u2013 jedoch nicht bedeutet, dass ich mich nicht vorbereite.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht f\u00fcr Sie ein typischer Tag als Traumdoktor aus?<\/strong><\/p>\n<p>Am Vormittag bereite ich mich jeweils vor, bevor ab etwa 13 Uhr die Besuche beginnen. An einem Nachmittag besuche ich 20 bis 35 Kinder, gehe von Zimmer zu Zimmer, von Stockwerk zu Stockwerk.<\/p>\n<p>Gerade bei etwas \u00e4lteren Kindern und Teenagern ist es durchaus m\u00f6glich, dass wir bloss miteinander reden \u2013 sei dies \u00fcber Fussball oder h\u00e4ufig auch \u00fcber Musik, da ich eine Ukulele dabeihabe. Ich muss heraussp\u00fcren, wie viel Komik es in diesen Gespr\u00e4chen vertr\u00e4gt und womit ich bei welchem Kind punkten und Freude bereiten kann.<\/p>\n<p><strong>Wie viel medizinisches Wissen brauchen Traumdoktoren?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich fast keines. Das n\u00f6tige Wissen eigne ich mir an, indem ich im Spital vor den Patientenbesuchen bei den verschiedenen Abteilungen vorbeischaue und mir dabei Informationen zu den Kindern einhole.<\/p>\n<p>Ich bekomme eine Patientenliste und bespreche diese mit einer verantwortlichen Person der Station. So erfahre ich, ob ich bei meinen Besuchen bestimmte Dinge beachten muss \u2013 beispielsweise, was allf\u00e4llige Infektionen und damit verbundene Isolationen angeht oder ob ein Kind gerade eine Chemotherapie hinter sich hat und so dessen Abwehrkr\u00e4fte reduziert sind.<\/p>\n<p>Dann erh\u00f6he ich den hygienischen Aufwand, ziehe Handschuhe und allenfalls einen Schutz\u00fcberzug an und achte darauf, nichts mitzubringen, was das Ansteckungsrisiko erh\u00f6hen k\u00f6nnte. Ausserdem beginne ich meine Tour bei diesen Patientinnen. Bei den Besprechungen erfahre ich zudem, ob ein Kind frisch operiert wurde und entsprechend unter Schmerzen leidet oder ob es vor Kurzem eine niederschmetternde Diagnose erhalten hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14298\" aria-describedby=\"caption-attachment-14298\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-14298\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-spielt-Ukulele-auf-der-Neonatologie-im-Kantonsspital-Chur.jpg\" alt=\"Dr Ahoi spielt Ukulele auf der Neonatologie im Kantonsspital Chur\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-spielt-Ukulele-auf-der-Neonatologie-im-Kantonsspital-Chur.jpg 338w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-spielt-Ukulele-auf-der-Neonatologie-im-Kantonsspital-Chur-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-spielt-Ukulele-auf-der-Neonatologie-im-Kantonsspital-Chur-150x225.jpg 150w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-spielt-Ukulele-auf-der-Neonatologie-im-Kantonsspital-Chur-300x451.jpg 300w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-spielt-Ukulele-auf-der-Neonatologie-im-Kantonsspital-Chur-279x420.jpg 279w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14298\" class=\"wp-caption-text\">Antonio Morano ist jeweils mit Instrumenten und Gadgets ausger\u00fcstet: Pascal Lauener<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Sie arbeiten bereits seit 20 Jahren als Traumdoktor. Kosten Sie je nach Leiden des Kindes die Besuche auch heute noch hin und wieder \u00dcberwindung?<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn meiner Karriere war dies auf jeden Fall ausgepr\u00e4gter. Gerade auf der Onkologie erfahre ich immer wieder von tragischen Schicksalen und lerne Kinder kennen, die nicht mehr lange leben werden. In solchen F\u00e4llen kommt es vor, dass ich vor dem Zimmer stehe und mir bewusst bin, dass dieser Besuch eine Herausforderung werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Allerdings darf ich mich von solchen Informationen und Diagnosen nicht zu sehr beeinflussen lassen. Meine Aufgabe ist es, den Kindern einen gl\u00fccklichen Moment zu schenken, in dem es die Krankheit vergessen kann. Entsprechend wollen sie mit mir auch nicht \u00fcber ihre Krankheit sprechen \u2013 das m\u00fcssen sie schon mit allen anderen. Wir gehen auch nicht zu den Patienten rein und fragen, wie es ihnen geht.<\/p>\n<p>Nicht auf die Diagnose einzugehen, hilft sowohl dem Kind als auch mir. Wir Traumdoktoren m\u00fcssen uns bis zu einem gewissen Grad abgrenzen k\u00f6nnen. Wenn ich ein Kind besuche und nur noch Mitleid empfinde, falle ich aus meiner Rolle. Damit w\u00e4re niemandem gedient. Im Anschluss habe ich immer noch die M\u00f6glichkeit, mich mit anderen anwesenden Traumdoktorinnen \u00fcber das Erlebte kurz auszutauschen und es so zu verarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Wie lernt man dieses Abgrenzen?<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Weiterbildungen der Stiftung Theodora zu erw\u00e4hnen, die wir regelm\u00e4ssig besuchen. Diese betreffen nicht nur die k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeiten, sondern auch den psychologischen Aspekt und das Spitalwesen.<\/p>\n<p>Dabei besprechen wir anhand von Fallbeispielen gewisse Situationen und wie wir uns hierbei distanzieren und sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Ich selbst hatte zu Beginn meiner Karriere nat\u00fcrlich mehr M\u00fche damit als heute, doch habe ich es relativ bald verstanden, gewisse Dinge richtig einzuordnen.<\/p>\n<p>Ich verstand, dass Leid und Schmerzen im Spital Teil des Alltags sind und ich daf\u00fcr nicht die Verantwortung \u00fcbernehmen darf. Mein Auftrag ist es einzig, einen sch\u00f6nen Moment zu zaubern. Dieses Bewusstsein erleichterte mir die Distanzierung. Die Stiftung Theodora gibt uns ausserdem die M\u00f6glichkeit, uns bei Bedarf an einen Psychologen zu wenden.<\/p>\n<p><strong>Wie schwierig ist es, mit guter Laune ins Zimmer reinzukommen, obwohl Sie wissen, dass dem Kind momentan \u00fcberhaupt nicht zu Lachen zumute ist \u2013 und Ihnen unter Umst\u00e4nden auch nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Dies stellt insbesondere im ersten Jahr nach der Ausbildung f\u00fcr alle Traumdoktorinnen eine grosse Herausforderung dar. Zieht man selbst einen schlechten Tag ein, kann man zwar trotzdem als Traumdoktor funktionieren, doch kostet es mehr Energie. So war ich zu Beginn meiner Karriere nach meinen Besuchen teilweise fix und fertig.<\/p>\n<p>Mittlerweile kann ich problemlos den Schalter von Antonio Morano zu Dr. Ahoi umlegen, sobald ich mir die rote Nase anziehe. Zudem hilft mir die Energie der Kinder, mich in diesem Moment von meinem Alltag zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Sie haben die Onkologie angesprochen. Gerade in dieser Abteilung blieben die Patienten oftmals \u00fcber l\u00e4ngere Zeit. Kommt es entsprechend vor, dass Sie als Traumdoktor bestimmte Kinder \u00fcber Monate bis gar Jahre begleiten?<\/strong><\/p>\n<p>Dies kommt tats\u00e4chlich vor. Es gibt Kinder, die ich \u00fcber zwei Jahre regelm\u00e4ssig besuche. Damit verbunden, lernt man diese Patienten auch besser kennen und die Besuche gestalten sich anders.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann dann episodenhaft Geschichten erz\u00e4hlen, die ich Woche f\u00fcr Woche weiterspinnen kann. Viele Kinder erinnern sich jeweils genau, wo ich beim letzten Mal mit meiner Geschichte stehen geblieben bin. Mit der Zeit k\u00f6nnen auf diese Weise richtige Traumdoktor-Kinder-Freundschaften entstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14296\" aria-describedby=\"caption-attachment-14296\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-14296\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein..jpg\" alt=\"Dr Ahoi schaut in ein Patientenzimmer hinein.\" width=\"600\" height=\"411\" srcset=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein..jpg 508w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein.-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein.-150x103.jpg 150w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein.-218x150.jpg 218w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein.-436x300.jpg 436w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dr-Ahoi-schaut-in-ein-Patientenzimmer-hinein.-100x70.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14296\" class=\"wp-caption-text\">Morano weiss vor dem Besuch nie, was genau ihn erwarten wird. Bild: Pascal Lauener<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie zeitintensiv ist das Vorbereiten solcher Geschichten?<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichten entwickle ich im Spital selbst, wenn ich mich auf die Besuche vorbereite, mich schminke und umziehe. So schl\u00fcpfe ich in meine Rolle und sauge den Groove von Dr. Ahoi auf. Zuhause k\u00fcmmere ich mich in erster Linie um technische Angelegenheiten, achte, dass s\u00e4mtliche Zauberartikel, Instrumente und Gadgets einwandfrei funktionieren und immer gereinigt und desinfiziert sind.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie Dr. Ahoi charakterisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Er ist ein sehr liebensw\u00fcrdiger Seefahrer, ein Tollpatsch und ein bisschen ein Angsthase, obwohl er behauptet, sich vor Piraten und Seeungeheuern nicht zu f\u00fcrchten. Ausserdem gehen seine meisten Zaubertricks in die Hose. Wenn er seine Zauberspr\u00fcche oder den Liedtext vergisst, helfen ihm jeweils die Kinder auf die Spr\u00fcnge.<\/p>\n<p>Diesen Ansatz von Empowerment, sprich dem Kind zu erm\u00f6glichen, mir zu helfen, verfolge ich bewusst, damit es sich besser f\u00fchlen kann. Bei \u00e4lteren Kindern kann Dr. Ahoi durchaus auch bei aktuellen Themen und Trends mitreden.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie den Weg zur Stiftung Theodora gefunden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin eigentlich ausgebildeter Elektroniker. Gleichzeitig war das Theaterspiel schon seit jeher meine Leidenschaft. So bewarb ich mich bei der Mimenschule Ilg in Z\u00fcrich, um eine Theaterausbildung zu absolvieren. W\u00e4hrend der zweij\u00e4hrigen Ausbildung arbeitete ich nur noch nebenbei als Elektroniker. Ende der 1990er Jahre erfuhr ich dann von einer Kollegin von der Stiftung Theodora und den Spitalclowns.<\/p>\n<p>Mich faszinierte deren Schaffen und ich bewarb mich dort. Zu Beginn arbeitete ich daneben immer noch als Elektroniker, denn kann man nicht Vollzeit als Traumdoktor arbeiten. Meist handelt es sich um ein bis drei Spitalbesuche pro Woche. Dass wir nicht t\u00e4glich vorbeigehen, hilft uns, nicht auszubrennen und Abstand zu gewinnen.<\/p>\n<p><strong>Welcher T\u00e4tigkeit gehen Sie heute neben Ihrem Job als Traumdoktor nach?<\/strong><\/p>\n<p>Mittlerweile bin ich auch dann als Clown unterwegs. In der Vergangenheit waren private Auftritte an Kindergeburtstagen und Partys die Regel. Vor knapp elf Jahren gr\u00fcndete ich dann mit einer Kollegin die Stiftung Lebensfreude, im Rahmen derer ich als Clown Alters- und Pflegeheime besuche. Dort bin ich weniger clownesque, sondern poetischer und musikalischer unterwegs.<\/p>\n<p>Mehr Artikel wie diesen findest du <a href=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/e-paper\/zug\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Kinder nach einer Operation oder krank im Spital liegen und Tr\u00fcbsal blasen, ist der Moment f\u00fcr die Traumdoktoren gekommen. Sie lassen mit ihren Auftritten die jungen Patienten ihre Krankheit zumindest einen Moment lang vergessen. Einer von ihnen ist Antonio Morano alias Dr. Ahoi. 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