{"id":6748,"date":"2021-01-11T05:11:19","date_gmt":"2021-01-11T04:11:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fon-times-zug.ch\/?p=6748"},"modified":"2022-05-19T16:54:09","modified_gmt":"2022-05-19T14:54:09","slug":"interview-mit-beat-schuler-amt-fuer-berufsbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/interview-mit-beat-schuler-amt-fuer-berufsbildung\/","title":{"rendered":"Interview mit Beat Schuler, Amt f\u00fcr Berufsbildung"},"content":{"rendered":"<h3>Seit 2007 war Beat Schuler Leiter des Amts f\u00fcr Berufsbildung in Zug. Ende 2020 verabschiedete er sich in den wohlverdienten Ruhestand. Im Interview blickt er zur\u00fcck auf Pionierprojekte mit ihm an der Spitze und voraus in eine Zukunft, in der die Berufsbildung das Gaspedal st\u00e4rker durchdr\u00fccken muss.<\/h3>\n<p>17 Jahre lang war Beat Schulers Arbeitsplatz an der Chamerstrasse 22 in Zug, zwischen Bahngleisen und Sch\u00fctzenmattwiese gelegen. Denn dort ist das kantonale Amt f\u00fcr Berufsbildung beheimatet. Schuler amtete vier Jahre als Leiter Berufsp\u00e4dagogik, bevor er sich 2007 erfolgreich als Leiter des Amts f\u00fcr Berufsbildung bewarb.<\/p>\n<p>Unter seiner \u00c4gide wurden zahlreiche f\u00fcr die Berufsbildung im Kanton Zug wegweisende Projekte in die Wege geleitet und in Angriff genommen. In seine Amtszeit fallen unter anderem die Umsetzung des neuen Berufsbildungsgesetzes und der Aufbau der Berufsbildung International. Was diese Projekte beinhalten, erkl\u00e4rt Schuler im ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch mit FonTimes gleich selbst.<\/p>\n<p>Denn per 31. Dezember 2020 liess sich der H\u00fcnenberger vorzeitig pensionieren \u2013 entsprechend konnte er sich ausgiebig Zeit f\u00fcr uns nehmen. Bei unserem Besuch in seinem B\u00fcro h\u00e4ngen die ersten Abschiedsgeschenke seines Teams an der Wand, das Pult wirkt aufger\u00e4umt und bereits etwas kahl.<\/p>\n<p><strong>Herr Schuler, f\u00fcr Sie und das<a href=\"https:\/\/www.zg.ch\/behoerden\/volkswirtschaftsdirektion\/amt-fur-berufsbildung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Amt f\u00fcr Berufsbildung<\/a> geht mit Ihrem Abschied eine \u00c4ra zu Ende. Mit was f\u00fcr einem Gef\u00fchl blicken Sie zur\u00fcck auf Ihre Zeit beim Amt f\u00fcr Berufsbildung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich sehr gut, wenn ich an meinen Abschied denke. Ich geniesse das Privileg, mich etwas fr\u00fcher pensionieren lassen zu k\u00f6nnen, den Zeitpunkt konnte ich dabei selbst w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist der Abschied auf Ende 2020 aus mehreren Gr\u00fcnden ideal: Einerseits freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meinen Enkelkindern zu verbringen. Auf der anderen Seite konnten wir in unserem Amt wichtige Projekte abschliessen und die kantonale Berufsbildung befindet sich in einem sehr guten Zustand.<\/p>\n<p><strong>War es von langer Hand geplant, dass Sie auf Ende 2020 Schluss machen werden?<\/strong><\/p>\n<p>Dass ich mich fr\u00fchzeitig pensionieren lassen werde, war schon l\u00e4nger klar. Dass es bereits Ende dieses Jahres sein wird, hat sich im Fr\u00fchling durch Covid-19 herauskristallisiert: Ich arbeitete von zuhause aus und betreute zeitweise parallel meine Enkelkinder im Home-Schooling. Dabei realisierte ich, wie sehr mir auch diese Welt gef\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>In Ihre Amtszeit sind einige wichtige \u00c4nderungen f\u00fcr das Amt f\u00fcr Berufsbildung gefallen. So war es an Ihrem Amt, das neue Berufsbildungsgesetz umzusetzen, welches nun die Gesundheitsberufe integriert.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, die kantonale Umsetzung lag an uns. Der Gesundheitsbereich hat mich zu Beginn ziemlich gefordert. Dieser wurde in der Vergangenheit \u00fcber das Schweizerische Rote Kreuz gesteuert. Die Gesundheitsberufe waren anders organisiert, duale Lehren gab es nicht. Es mussten neue Berufe entwickelt werden, um das System der Berufsbildung \u00fcberhaupt \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heutzutage ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass man nach der Volksschule direkt in einen Gesundheitsberuf einsteigen kann. Unsere zwei Gesundheitsschulen mussten wir durch die Gesetzes\u00e4nderung schliessen, da der Kanton Zug zu klein f\u00fcr eine h\u00f6here Fachschule in diesem Bereich ist.<\/p>\n<p>Deswegen wurden die Kr\u00e4fte mit der H\u00f6heren Fachschule Gesundheit Zentralschweiz in Luzern geb\u00fcndelt. Aus heutiger Sicht war dies sicherlich ein richtiger Entscheid, auch wenn die Schliessungen zu Beginn schmerzten.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie die Gesundheitsberufe schon ansprechen. Diese sind seit Ausbruch der Coronapandemie st\u00e4rker in den Fokus ger\u00fcckt. Die Probleme, welche dieses Berufsfeld aktuell mit sich tr\u00e4gt, wurden schonungslos offenbart. Wie ist die Haltung des Amts f\u00fcr Berufsbildung dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Was die Fachleute Gesundheit anbelangt, handelt es sich um einen boomenden Berufszweig. Viele besuchen anschliessend auch die <a href=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/hoehere-fachschule-zug\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">H\u00f6here Fachschule<\/a>. Das Problem f\u00fcr den Mangel an Pflegepersonal ist ein anderes: Die Leute bleiben zu wenig lange im Beruf.<\/p>\n<p>Viele werfen den Bettel relativ rasch wieder hin, wenn sie sehen, wie anspruchsvoll der Beruf und sein Umfeld ist: Sonn- und Feiertage gibt es nicht. Rund um die Uhr muss jemand da sein. Gleichzeitig leiden wir unter einem Fachkr\u00e4ftemangel, weswegen die neuen Leute rasch verheizt werden.<\/p>\n<p>Von politischer Seite wird gefordert, die Zahl der Auszubildenden zu erh\u00f6hen. Dies ist jedoch nicht der grosse Hebel, sondern die Verweildauer im Betrieb. Der Beruf im Gesundheitsbereich ist attraktiv, doch muss er gesundheitlich zu bew\u00e4ltigen sein. Die \u00dcberbelastung ist ein systemisches Problem.<\/p>\n<p><strong>Wer muss die Initiative ergreifen, um diesem Problem Gegensteuer zu geben?<\/strong><\/p>\n<p>Prim\u00e4r ist es die F\u00fchrung in einem Betrieb, da sie grunds\u00e4tzlich die Arbeitszeit und -konditionen festlegt. F\u00fcr die Betriebe ist es ein Abw\u00e4gen zwischen Rendite, Patientenwohl und Personalschl\u00fcssel.<\/p>\n<p><strong>Was kann das Amt f\u00fcr Berufsbildung dabei f\u00fcr eine Rolle spielen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen einzig gute Angebote schaffen \u2013 auch, indem wir Quer- und Wiedereinsteiger durch attraktive Rahmenbedingungen anlocken. Der Arbeitsmarkt selbst liegt nicht mehr im Einflussbereich der Berufsbildung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14729\" aria-describedby=\"caption-attachment-14729\" style=\"width: 662px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-14729\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schuler-sorgt-sich-um-die-Verweildauer-in-Pflegeberufen..jpg\" alt=\"Schuler sorgt sich um die Verweildauer in Pflegeberufen. Bild: depositphotos\/IgorVetushko\" width=\"662\" height=\"442\" srcset=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schuler-sorgt-sich-um-die-Verweildauer-in-Pflegeberufen..jpg 507w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schuler-sorgt-sich-um-die-Verweildauer-in-Pflegeberufen.-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Schuler-sorgt-sich-um-die-Verweildauer-in-Pflegeberufen.-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14729\" class=\"wp-caption-text\">Schuler sorgt sich um die Verweildauer in Pflegeberufen. Bild: depositphotos\/IgorVetushko<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Unter anderem ist auch die Integrationsvorlehre, die Invol, in Ihrer Amtszeit entstanden.<\/strong><\/p>\n<p>Diese wurde 2015 in die Wege geleitet, im Jahr, das unter anderem durch die Fl\u00fcchtlingskrise in Erinnerung geblieben ist. Uns war klar, dass wir diese Menschen \u00fcber den Bildungsweg integrieren m\u00fcssen \u2013 und zwar m\u00f6glichst rasch.<\/p>\n<p>Auch von politischer Seite wurde eine sogenannte \u00abFl\u00fcchtlings-Lehre\u00bb gefordert. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00fcssen die Fl\u00fcchtlinge in den normalen Arbeitsmarkt integriert werden, k\u00f6nnen nicht auf Dauer einen Beruf in einer \u00ablight-Version\u00bb ausf\u00fchren. Deswegen handelt es sich bei der Invol um eine Vorlehre.<\/p>\n<p>Bevor man mit Lehrvertrag und -betrieb ins System kommt, bereitet man sich in der Invol so vor, dass die Chance m\u00f6glichst gross ist, anschliessend im Berufsleben bestehen zu k\u00f6nnen. Bei der Einf\u00fchrung der Invol 2017 waren wir einer der Pilotkantone. Der Erfolg war selbst f\u00fcr uns \u00fcberraschend. Vom Staatssekretariat f\u00fcr Migration bekamen wir ein Kontingent von 15 Pl\u00e4tzen f\u00fcr die Invol zugeteilt, die subventioniert werden.<\/p>\n<p>Nach einem Jahr realisierten wir, dass der Bedarf deutlich h\u00f6her w\u00e4re. Wir konnten den Betrieben aufzeigen, dass sie die Fl\u00fcchtlinge nach der Vorlehre f\u00fcr eine regul\u00e4re Lehre behalten k\u00f6nnen. Gerade in Branchen, in denen es nicht einfach ist, Lehrlinge zu finden, fand die Invol Anklang. Denn so konnten die Betriebe wieder Fachkr\u00e4fte generieren.<\/p>\n<p><strong>An was f\u00fcr Branchen denken Sie hierbei?<\/strong><\/p>\n<p>Beispielsweise an handwerkliche Betriebe wie Maurer, Sanit\u00e4r, Gartenbau oder B\u00e4cker. Mittlerweile konnten wir das Kontingent auf 30 Pl\u00e4tze verdoppeln. Trotzdem k\u00f6nnen wir nicht jede und jeden in die Invol aufnehmen.<\/p>\n<p>So m\u00fcssen die Fl\u00fcchtlinge ein gewisses sprachliches Niveau aufweisen und die n\u00f6tige Bereitschaft mitbringen. Deswegen m\u00fcssen sie sich niederschwellig bewerben und einen offiziellen Lehrbetrieb finden. Es wird eine Absichtserkl\u00e4rung formuliert, was die Ziele f\u00fcr die Vorlehre sind.<\/p>\n<p>Dadurch besteht f\u00fcr alle Seiten eine gewisse Planungssicherheit. Zum Schluss der Vorlehre gibt es keine Abschlusspr\u00fcfung, aber einen Augenschein und in einer kleinen Abschlussfeier wird ein kantonaler Ausweis \u00fcberreicht.<\/p>\n<p><strong>Ein Pionier war der Kanton Zug auch, was die Berufsbildung International anbelangt. Ist er nach wie vor der einzige, der die Berufsbildung International komplett auf Englisch anbietet?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, dass die Ausbildung an allen drei Lernorten \u2013 Berufsschule, Betrieb und \u00fcberbetriebliche Kurse \u2013 auf Englisch erfolgt, ist in der Schweiz einzigartig. Als wir dieses Projekt 2013 aufgleisten, war es nicht ganz einfach, geeignete Partner mit passenden Angeboten zu finden.<\/p>\n<p>Aktuell bieten wir die englischsprachige Berufslehre f\u00fcr Kaufleute und Informatiker\/innen an, pro Klasse sind es rund 15 Absolvent\/innen. Der Verbund Bildxzug bietet die \u00dcKs im KV-Bereich an und Roche Diagnostics im Bereich IT.<\/p>\n<p>Mittlerweile z\u00e4hlen wir 30 bis 40 Unternehmen, die aktiv mitmachen \u2013 die meisten davon sind internationale Grossbetriebe, bei denen die Firmensprache Englisch ist. Wir mussten jedoch auch feststellen, wie agil die Wirtschaft und mit ihr die Betriebe sind: Oftmals wechselt bei den angesprochenen Firmen der CEO alle drei bis vier Jahre und wir m\u00fcssen wieder neu anklopfen und die Berufsbildung International vorstellen.<\/p>\n<p>Da Bildxzug s\u00e4mtliche Administrationsaufgaben \u00fcbernimmt, m\u00fcssen die Betriebe einzig den Ausbildungsplatz zur Verf\u00fcgung stellen. Die Berufsbildung International funktioniert in Zug durch die Kleinheit des Kantons und die globalisierte Welt, die hier zusammenkommt, so gut.<\/p>\n<p><strong>Eine weitere Eigenheit des Kantons Zug ist das Verbundsystem, welches bei der Berufsbildung International wiederum genutzt werden kann. Welche Vorteile ergeben sich durch das Verbundsystem?<\/strong><\/p>\n<p>Viele Firmen sind mittlerweile derart auf einen Bereich spezialisiert, dass sie gar keine Ausbildungspl\u00e4tze anbieten k\u00f6nnen, welche das ganze Berufsfeld abdecken. Durch das Verbundsystem k\u00f6nnen die Auszubildenden jedoch w\u00e4hrend der Ausbildung den Betrieb wechseln, wodurch sie verschiedene Firmenkulturen kennenlernen und schlussendlich gar eine umfangreichere Ausbildung geniessen.<\/p>\n<p><strong>Welche Herausforderungen werden in den n\u00e4chsten Jahren auf die Berufsbildung zukommen?<\/strong><\/p>\n<p>Die gesamte Berufsbildung wird in den kommenden Jahren durch die vierte industrielle Revolution, sprich die digitale Transformation, stark gefordert werden. Die Wirtschaft wird sich massiv und in hoher Geschwindigkeit weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Die Berufsbildung adaptiert sich an der Wirtschaft, weswegen es f\u00fcr sie nicht einfach ist, mit der Entwicklung der Wirtschaft mitzuhalten. Nur schon dadurch, dass Verbundpartner wie der Bund, die Kantone und die Branchen bei der Berufsbildung mitreden. Jeder Beruf hat wiederum eine eigene Branche. Diese gibt den Takt vor und am Kanton liegt die Umsetzung.<\/p>\n<p>Der Bund k\u00fcmmert sich derweil um die strategische Steuerung. Es wird in den n\u00e4chsten Jahren zu einigen Anpassungen kommen. So ist f\u00fcr 2022 geplant, den Beruf des Kaufmanns, respektive der Kauffrau, an die Entwicklungen anzupassen. Gerade, was die schulische Ausbildung anbelangt. Ausserdem werden neue Berufe entstehen, die wir heute noch gar nicht kennen.<\/p>\n<p>Bis anhin hatte man vier bis f\u00fcnf Jahre Zeit, bis die Ausbildung f\u00fcr einen neuen Beruf angeboten werden konnte. Dies ist mittlerweile zu lange, die Berufsbildung muss flexibler und schneller werden. Die Berufsbildung an die Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft anzupassen, wird die Hauptherausforderung f\u00fcr meinen Nachfolger Dusan Milakovic sein (siehe Box).<\/p>\n<pre><strong>Das ist der Neue<\/strong>\r\n\r\nIm September wurde Dusan Milakovic (41) als neuer Leiter des Amts f\u00fcr Berufsbildung vorgestellt. Der Z\u00fcrcher trat am 1. Januar 2021 die Nachfolge von Beat Schuler an. Milakovic hat ein Studium in Geschichte und Betriebswirtschaftslehre sowie einen CAS in Unternehmensentwicklung abgeschlossen. Seit vier Jahren ist er Leiter Berufsbildung bei der AMAG Automobil- und Motoren AG in Cham. Er hat mehrj\u00e4hrige und umfangreiche Erfahrung in leitenden Funktionen in den Bereichen Berufsbildung, Weiterbildung und Kommunikation in der Privatwirtschaft, im Hochschulbereich sowie in der Verwaltung, wie die Volkswirtschaftsdirektion mitteilt.<\/pre>\n<p><strong>Kann die Berufsbildung mit der rasanten Entwicklung der Wirtschaft \u00fcberhaupt Schritt halten? Gerade auch, wenn ich an den Kanton Zug mit seinem Crypto Valley denke.<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist tats\u00e4chlich nur bis zu einem gewissen Grad m\u00f6glich. In Zug als absolutem Wirtschaftsstandort steigt die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze, aktuell sind es gut 113&#8217;000, schneller als die Bev\u00f6lkerung. Auch die Berufsbildung w\u00e4chst nicht gleich schnell.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, es ziehen \u00fcberproportional viele Firmen nach Zug, die keine Lehrbetriebe sind. Doch auch Start-ups aus dem Crypto-Bereich haben ein Backoffice und k\u00f6nnten beispielsweise Mediamatiker ausbilden. Viele kommen jedoch von sich aus gar nicht auf die Idee. Da ist es die Aufgabe unseres Amtes, sie darauf aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie die Zuger Berufsfachschulen hinsichtlich Digitalisierung? Wie gut waren sie ger\u00fcstet, als sie aufgrund von Covid-19 auf Fernunterricht umstellen mussten?<\/strong><\/p>\n<p>Sie waren sehr gut ger\u00fcstet. Der Wechsel auf Fernunterricht konnte innert k\u00fcrzester Zeit \u00fcber die B\u00fchne gebracht werden und die Lernenden wurden auch immer rasch informiert. Die Schulen haben notgedrungen nochmals einen Digitalisierungssprung gemacht. F\u00fcr den Fernunterricht musste ein p\u00e4dagogisches Konzept ausgearbeitet werden, welches nun weiterentwickelt wird.<\/p>\n<p>Zudem haben die Jugendlichen auf diese Weise automatisch verinnerlicht, \u00fcber Tools wie Zoom zu kommunizieren \u2013 so wird es f\u00fcr sie sp\u00e4ter im Berufsalltag diesbez\u00fcglich keine Adaptionsschwierigkeiten geben.<\/p>\n<p><strong>Sie standen in Ihrer Funktion im Austausch mit dem Regierungsrat, insbesondere mit der Volkswirtschaftsdirektorin respektive davor dem Volkswirtschaftsdirektor. Zumal das Amt f\u00fcr Berufsbildung in der Volkswirtschaftsdirektion angesiedelt ist. Wie haben Sie die Zusammenarbeit innerhalb der Direktion erlebt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Volkswirtschaftsdirektion pflegt eine sehr dynamische Kultur. Regierungsr\u00e4tin Silvia Thalmann-Gut war meine direkte Ansprechperson. Die Wege sind sehr kurz \u2013 anders w\u00e4ren Projekte wie Berufsbildung International gar nicht m\u00f6glich. Unsere N\u00e4he zur Wirtschaft und den Firmen wird dadurch beg\u00fcnstigt, dass wir in der Volkswirtschaftsdirektion angesiedelt sind.<\/p>\n<p>So kann Silvia Thalmann-Gut bei der Begr\u00fcssung von neu hinzugezogenen Firmen als T\u00fcr\u00f6ffnerin f\u00fcr uns fungieren, da die Berufsbildung bei der Begr\u00fcssung jeweils ein Thema ist. Ich sch\u00e4tze es entsprechend sehr, dass die Berufsbildung Teil der Volkswirtschaftsdirektion ist \u2013 auch wenn dies in der Schweiz nur in Zug und Fribourg der Fall ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_14731\" aria-describedby=\"caption-attachment-14731\" style=\"width: 662px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-14731\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dezember-fuhr-Schuler-seinen-Arbeitscomputer-ein-letztes-Mal-runter.-Im-Hintergrund-ein-Abschiedsgeschenk-seiner-Arbeitskollegen..jpg\" alt=\": Am Freitag, 18. Dezember, fuhr Schuler seinen Arbeitscomputer ein letztes Mal runter. Im Hintergrund ein Abschiedsgeschenk seiner Arbeitskollegen. Bild: sib\" width=\"662\" height=\"482\" srcset=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dezember-fuhr-Schuler-seinen-Arbeitscomputer-ein-letztes-Mal-runter.-Im-Hintergrund-ein-Abschiedsgeschenk-seiner-Arbeitskollegen..jpg 507w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dezember-fuhr-Schuler-seinen-Arbeitscomputer-ein-letztes-Mal-runter.-Im-Hintergrund-ein-Abschiedsgeschenk-seiner-Arbeitskollegen.-300x218.jpg 300w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dezember-fuhr-Schuler-seinen-Arbeitscomputer-ein-letztes-Mal-runter.-Im-Hintergrund-ein-Abschiedsgeschenk-seiner-Arbeitskollegen.-150x109.jpg 150w, https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Dezember-fuhr-Schuler-seinen-Arbeitscomputer-ein-letztes-Mal-runter.-Im-Hintergrund-ein-Abschiedsgeschenk-seiner-Arbeitskollegen.-324x235.jpg 324w\" sizes=\"(max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-14731\" class=\"wp-caption-text\">: Am Freitag, 18. Dezember, fuhr Schuler seinen Arbeitscomputer ein letztes Mal runter. Im Hintergrund ein Abschiedsgeschenk seiner Arbeitskollegen. Bild: sib<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie viele Mitarbeitende z\u00e4hlt das Amt f\u00fcr Berufsbildung?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind 14 Leute. Davon sind vier Ausbildungsberaterinnen und -berater f\u00fcr die 3600 Lernenden im System. Momentan sind insgesamt 1420 Lehrbetriebe aktiv. Wir halten uns grunds\u00e4tzlich im Hintergrund und schauen, dass die Lehrbetriebe tun, was sie sollen, sich die Lernenden die n\u00f6tigen Kompetenzen aneignen k\u00f6nnen und dass wir bei Problemen da sind. Ausserdem sind wir f\u00fcr die Beaufsichtigung der insgesamt acht h\u00f6heren Fachschulen im Kanton zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>Seit Jahren ist zu h\u00f6ren, immer weniger Jugendliche wollten eine Lehre absolvieren, wir steuern auf ein Volk von Akademikern zu. Wie aktuell sind diese Voten noch?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Tendenz ist immer noch sehr aktuell. Wir sind eine akademisch gepr\u00e4gte Gesellschaft im Kanton Zug und es ist naheliegend, dass die Kinder von Akademikern das Gymnasium besuchen. Entsprechend steigt die Gymi-Quote in Zug nach wie vor. Aktuell liegt sie bei rund 24 Prozent \u2013 leicht \u00fcber dem Schweizer Durchschnitt von 22 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Was kann das Amt f\u00fcr Berufsbildung machen, um die jungen Menschen trotzdem f\u00fcr Berufsbildung begeistern zu k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen attraktiv bleiben und aufzeigen, was die Berufsbildung alles kann. In Kombination mit der Berufsmatura stehen einem s\u00e4mtliche Studienm\u00f6glichkeiten offen \u2013 mit dem Vorteil, dass man ein klares Etappenziel mit Berufsabschluss und einer Arbeitsmarktf\u00e4higkeit hat und sich sowohl f\u00fcr ein Studium als auch den direkten Berufseinstieg entscheiden kann.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie auf das Jahr 2020 zur\u00fcckblicken \u2013 welche Auswirkungen hat die Coronapandemie auf die Berufsbildung gehabt \u2013 wenn wir zum Beispiel an Schnupperlehren denken? <\/strong><\/p>\n<p>Gerade im Gesundheitsbereich ist das Schnuppern nat\u00fcrlich anspruchsvoller geworden. Ausserdem konnten wir beispielsweise die Berufswahlveranstaltungen nicht durchf\u00fchren \u2013 genauso wenig wie die Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi.<\/p>\n<p>Nun sind wir daran, digitale Ersatzformate bereitzustellen. Die Firmen sind jedoch weiterhin sehr engagiert, was das Ausschreiben von Lehrstellen anbelangt. Dieses Jahr haben sogar mehr Leute eine Lehre in Angriff genommen als vor Jahresfrist.<\/p>\n<p>Die Frage ist, wie lange dieser Normalzustand, was die Zahlen anbelangt, aufrechterhalten werden kann, sollten Firmen wegen der Coronapandemie wegbrechen. Dank unseres stabilen Systems ist Alarmismus derzeit jedoch definitiv nicht angezeigt. Die Firmen sind sich bewusst, dass sie weiterhin ausbilden m\u00fcssen, um auch k\u00fcnftig Fachleute im Betrieb garantieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2007 war Beat Schuler Leiter des Amts f\u00fcr Berufsbildung in Zug. Ende 2020 verabschiedete er sich in den wohlverdienten Ruhestand. 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