{"id":13307,"date":"2022-05-23T05:00:10","date_gmt":"2022-05-23T03:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/?p=13307"},"modified":"2022-06-09T09:08:30","modified_gmt":"2022-06-09T07:08:30","slug":"pflanzliche-textilien-als-nachhaltige-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/pflanzliche-textilien-als-nachhaltige-alternative\/","title":{"rendered":"Pflanzliche Textilien als nachhaltige Alternative"},"content":{"rendered":"<h3>Immer \u00f6fter greifen umweltbewusste K\u00e4uferinnen und K\u00e4ufer zu Kleidern aus pflanzlichen Stoffen. Diese sind ein t\u00fcchtiger Ersatz f\u00fcr tierische Textilien wie Leder und Wolle und dazu noch biologisch viel schneller abbaubar als erd\u00f6lbasierte Materialien.<\/h3>\n<p>Wenn die gesamte Welt so viel konsumieren w\u00fcrde wie die Schweizer Bev\u00f6lkerung, br\u00e4uchte man drei Planeten, um die Rohstoffe daf\u00fcr nachhaltig liefern zu k\u00f6nnen, wie Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Statistik zeigen.<\/p>\n<p>Dieser Gedanke ist be\u00e4ngstigend, insbesondere wenn man bedenkt, dass sich bei einem solch \u00fcberm\u00e4ssigen Konsum zwingend auch der Abfall kumuliert. Ein grosser Teil des Abfalls besteht aus Textilien, genauer gesagt, aus alten Kleidern.<\/p>\n<p>So ist es nach der Erd\u00f6lindustrie die Modebranche, welche die Umwelt am st\u00e4rksten verschmutzt. Hinzu kommt, dass sie auch f\u00fcr die Menschen, welche die Kleider meist unter widrigen, gesundheitssch\u00e4dlichen Bedingungen herstellen, eine starke Belastung darstellt.<\/p>\n<p>Ein Schl\u00fcsselbegriff in diesem Zusammenhang ist das aktuell stark forcierte Gesch\u00e4ftsmodell \u00abFast Fashion\u00bb, zu Deutsch Wegwerfmode, welches sich als das st\u00e4ndige Angebot von neuen Kleidungsst\u00fccken zu tiefen Preisen definieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die EU will 2022 den \u00dcbergang zu einer Kreiswirtschaft mit einem neuen Rahmen f\u00fcr eine nachhaltige Produktpolitik beschleunigen, indem sie unter anderem strengere Kontrollen auf gr\u00fcnen Etikettenschwindel (Greenwashing) anwendet und die Verbrennung von unverkauften Kleidern zu minimieren versucht.<\/p>\n<p>Doch aktuell boomt der Textilhandel noch und die M\u00fcllberge h\u00e4ufen sich. Als Konsumentin und Konsument kann man diesem Trend mit einem sparsamen und sorgsamen Umgang mit den eigenen Kleidungsst\u00fccken sowie mit ethischen Kaufentscheidungen, z.B. pflanzliche Textilien aber etwas entgegenwirken.<\/p>\n<h2>Das Mikroplastik-Dilemma<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend der sparsame Umgang mit G\u00fctern und Rohstoffen von vielen noch erlernt werden muss respektive es oftmals sowohl auf Konsumenten- wie auf Herstellerseite am Willen zur Umsetzung mangelt, gibt es auch andere Wege, die Abfallmenge m\u00f6glichst reduziert zu halten. Einer davon ist, bei Bedarf Textilien zu kaufen, die bei der Produktion und nach dem Tragen die Umwelt m\u00f6glichst wenig belasten.<\/p>\n<p>Das Negativ-Beispiel daf\u00fcr ist auf der anderen Seite Polyester, welches aus Erd\u00f6l produziert wird und als der gr\u00f6sste Verursacher von Mikroplastik in den Meeren gilt. Das liegt daran, dass Polyester beim Waschen Fasern verliert, die inzwischen etwa 35 % des gesamten Mikroplastiks im Meer ausmachen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13311\" aria-describedby=\"caption-attachment-13311\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-13311\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Polyesterfasern.jpg\" alt=\"Mikroplastik in den Meeren\" width=\"507\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13311\" class=\"wp-caption-text\">Polyesterfasern werden beim Kleiderwaschen nicht herausgefiltert und gelangen schlussendlich in Form von Mikroplastik ins Meer. Bild: SusanneFritzsche \/ Depositphotos<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Mikrofasern sind so klein, dass sie von Kl\u00e4ranlagen und Waschmaschinen nicht herausgefiltert werden k\u00f6nnen. Mit der Nahrung nehmen Wassertiere die Fasern auf und so gelangen sie in die Nahrungskette. Mikroplastik hat dazu noch eine grosse Anziehungskraft auf andere Schadstoffe, die sich an den Fasern anreichern und durch die Tiere ebenfalls in der Nahrungskette landen.<\/p>\n<p>Ein L\u00f6sungsansatz ist aktuell der \u00abGuppy Friend\u00bb-Waschbeutel, in welchem die Kleider zum Waschen verstaut werden und der die Fasern zur\u00fcckhalten soll. Doch sind pflanzliche Textilien auf Dauer sowie global betrachtet die nachhaltigere Alternative.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Mikroplastik einfach erkl\u00e4rt (explainity\u00ae Erkl\u00e4rvideo)\" width=\"696\" height=\"392\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NjGdeeCVa9c?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h2>Die Eigenschaften des Traumstoffs<\/h2>\n<p>Am Beispiel des Polyesters wird ersichtlich, welche Eigenschaften pflanzliche Textilien mit sich bringen sollten. So sollten sie aus nachhaltigen Quellen stammen und m\u00f6glichst wenig Wasser bei der Produktion brauchen.<\/p>\n<p>Idealerweise sind die Rohstoffe daf\u00fcr pflanzliche Nebenprodukte und k\u00f6nnen mit m\u00f6glichst geringem Aufwand geerntet werden. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, sollten sie sich m\u00f6glichst schnell, umweltschonend und restlos zersetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die restlose Zersetzung ist bei Naturfasern gegeben, solange sie nicht mit k\u00fcnstlichen Stoffen vermischt wurden. In Kombination mit synthetischen Fasern verliert die Naturfaser ihre biologische Abbauf\u00e4higkeit und braucht zum Zersetzen so viel Zeit, als best\u00e4nde der Stoff nur aus synthetischen Fasern.<\/p>\n<p>Deswegen lohnt es sich f\u00fcr umweltbewusste Konsumenten und Konsumentinnen beim Kauf eines Stoffes, genau auf dessen Stoffgehalt zu achten und, wenn m\u00f6glich, auf Mischgewebe zu verzichten.<\/p>\n<h2>Textilien aus Ananasbl\u00e4ttern und Milch<\/h2>\n<p>Baumwolle ist wohl der Klassiker unter den pflanzlichen Textilien, doch leider geh\u00f6rt sie nicht zu den umweltfreundlichsten und ethischsten Textilien. Baumwolle wird in manchen L\u00e4ndern nach wie vor oft von Kinderarbeitern gepfl\u00fcckt und verbraucht pro Kilogramm etwa 10&#8217;000 bis 25&#8217;000 Liter Wasser.<\/p>\n<p>Auch Echtleder ist ethisch umstritten, senkt es doch die Lebenserwartung der Menschen, die es produzieren, und ist es angesichts der Tierhaltung sowie der damit verbundenen Methanemissionen nicht der umweltfreundlichste Stoff.<\/p>\n<p>Eine g\u00fcnstige und nachhaltige Lederalternative ist das sogenannte Pi\u00f1atex. Dabei handelt es sich um pflanzliches Leder, das aus Fasern von Ananasbl\u00e4ttern hergestellt wird. Da die Ananas nach der Banane die zweitbeliebteste Tropenfrucht der Welt ist, mangelt es nicht an Ananasbl\u00e4ttern, die als Nebenprodukt \u00fcbrigbleiben und weiterverarbeitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Quadratmeter Ananasleder besteht aus Pflanzenfasern von 480 Ananasbl\u00e4ttern, also etwa so viel, wie 16 Ananaspflanzen an Bl\u00e4tter haben. Die Fasern werden noch auf dem Feld aus den Bl\u00e4ttern mechanisch herausgel\u00f6st, dann gewaschen und getrocknet.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes werden die Fasern mechanisch zu einem Netz gespannt. Dieses wird anschliessend nicht etwa gewebt, sondern verfilzt, wodurch ein leder\u00e4hnliches Material entsteht, das gef\u00e4rbt und anschliessend f\u00fcr bessere Haltbarkeit mit Harz beschichtet werden kann.<\/p>\n<p>Doch Ananasbl\u00e4tter sind nicht das einzige Nebenprodukt, das zu Fasern verarbeitet werden kann. Auch aus Rohmilch-Abf\u00e4llen k\u00f6nnen Fasern aus Kasein gewonnen werden. Bei dessen Verarbeitung werden keine Chemikalien verwendet, weswegen der Stoff gesundheitlich sehr gut vertr\u00e4glich ist.<\/p>\n<p>Die Milchfaser belastet die Umwelt nicht, ist g\u00fcnstig, f\u00fchlt sich seidig-weich an und eignet sich gut als eine Alternative zur Baumwolle. Sie l\u00e4sst sich gut kompostieren und ben\u00f6tigt f\u00fcr die Herstellung eines Kilogramms an Fasern nur zwei Liter Wasser.<\/p>\n<h2>Pflegeleichter Eukalyptus und Hanf<\/h2>\n<p>Eine Pflanze, die ebenfalls wenig Wasser braucht und auf B\u00f6den angebaut wird, die nicht f\u00fcr den Anbau von anderen Lebensmitteln genutzt werden k\u00f6nnen, ist Eukalyptus. Um pflanzliche Textilien aus Eukalyptusholz herzustellen, wird dieses zerkleinert, eingeweicht und mit L\u00f6sehilfstoff zu einem Brei vermischt, der anschliessend getrocknet und gefiltert wird. In ein Spinnband gepresst, entstehen aus dieser L\u00f6sung <a href=\"https:\/\/www.rapantinchen.de\/was-ist-tencel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eukalyptusfasern<\/a>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13310\" aria-describedby=\"caption-attachment-13310\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-13310\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Eukalyptusfasern.jpg\" alt=\"Eucalyptus Baum\" width=\"507\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13310\" class=\"wp-caption-text\">Mit einem umweltschonenden Verfahren werden solche Eukalyptusb\u00e4ume zu Stoff verarbeitet. Bild: mingman \/ Depositphotos<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zuletzt m\u00fcssen die Fasern nur noch gewaschen und zu Garn gesponnen werden. Der daraus gewobene Eukalyptusstoff f\u00fchlt sich rau an und ist ziemlich robust. Weil die L\u00f6sungsmittel, die bei der Herstellung genutzt werden, anschliessend wieder in den Produktionskreislauf gelangen, wurde dieses Herstellungsverfahren der Eukalyptusfaser mit dem EU-Umweltpreis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Gleich wie Eukalyptus ben\u00f6tigt auch Hanf weder Pflege noch Pestizide. Hanf ist eine beliebte Zwischenfrucht auf dem Feld, die den Acker besser hinterl\u00e4sst als sie ihn vorgefunden hat und wurde bereits in der Antike zu Stoffen und Seilen verarbeitet.<\/p>\n<p>Die Hanffaser ist eine der st\u00e4rksten und haltbarsten Fasern, die ihre Form gut h\u00e4lt. Sie ist von Natur aus feuchtigkeitsregulierend. Dazu ist Hanf auch noch temperaturausgleichend, er w\u00e4rmt im Winter gut und f\u00fchlt sich im Sommer k\u00fchl an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13309\" aria-describedby=\"caption-attachment-13309\" style=\"width: 507px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-13309\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Hanffaser.jpg\" alt=\"Hanf als Faser\" width=\"507\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13309\" class=\"wp-caption-text\">Die Hanffaser wirkt feuchtigkeitsregulierend und temperaturausgleichend. Bild: Omstudio \/ Depositphotos<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Von Alge zu Stoff<\/h2>\n<p>\u00c4hnlich wie Hanf enthalten auch Algen viele Mineralien und Spurenelemente, die im Algenstoff bleiben, die Haut pflegen und sch\u00fctzen. Die hautfreundlichen Seacell-Textilfasern werden mit einer speziellen Technologie aus Meeresalgen und Zink hergestellt.<\/p>\n<p>Dazu werden die Algen getrocknet, gemahlen und dann in Cellulosefasern eingebunden. Dabei werden die Algen direkt in die Cellulose integriert, weswegen die Wirkung der Algen auch nach vielem Waschen anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der entstandene Stoff ist rein biologisch, wirkt dazu auch noch entz\u00fcndungshemmend und entgiftend, weshalb er von einigen Marken als \u00abTextilie mit Anti-Aging-Effekt\u00bb gepriesen wird. Der Stoff f\u00fchlt sich weich und seidig-glatt an, ist aber eher schwer und wasserabweisend.<\/p>\n<p>Aufgrund der kostspieligen Herstellungsart sind aber auch die Preise von Algentextilien f\u00fcr das kleine Portemonnaie eher weniger erschwinglich. So bezahlt man f\u00fcr ein T-Shirt aus Algen in der Regel rund 140 Franken. Daf\u00fcr kann man es mit dem Wissen tragen, dass sich pflanzliche Textilien g\u00e4nzlich biologisch abbauen.<\/p>\n<p>Weitere Artikel zum Thema Nachhaltigkeit findest du <a href=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/nachhaltig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer \u00f6fter greifen umweltbewusste K\u00e4uferinnen und K\u00e4ufer zu Kleidern aus pflanzlichen Stoffen. Diese sind ein t\u00fcchtiger Ersatz f\u00fcr tierische Textilien wie Leder und Wolle und dazu noch biologisch viel schneller abbaubar als erd\u00f6lbasierte Materialien. 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