{"id":11994,"date":"2022-02-17T05:06:42","date_gmt":"2022-02-17T04:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/?p=11994"},"modified":"2022-05-24T19:18:01","modified_gmt":"2022-05-24T17:18:01","slug":"wir-sind-selbst-unsere-groessten-kritiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ftmedien.ch\/new-site\/wir-sind-selbst-unsere-groessten-kritiker\/","title":{"rendered":"Lo &#038; Leduc stellen ihr neues Album \u00abMercato\u00bb vor"},"content":{"rendered":"<h3>Lo &amp; Leduc melden sich mit ihrem neuen Album \u00abMercato\u00bb zur\u00fcck. Wobei sie gar nie wirklich weg waren. Und ihre Hits sowieso immer noch jede und jeder im Ohr hat. Mit \u00abMercato\u00bb wagen sie sich aufs Mixtape-Parkett, ohne ihre Handschrift dabei zu verlieren.<\/h3>\n<p>\u00ab0-7-9\u00bb, het sie gseit \/ \u00abDu weisch immer no n\u00fct\u00bb, het sie gseit \/ Nidmau tsch\u00fcss het sie gseit, ey \/ Und i frage sie ob ig ihri \u2013 \u00abt\u00fct t\u00fct t\u00fct\u00bb, het sie gseit, \u00abt\u00fct t\u00fct\u00bb.<\/p>\n<p>Diese Songzeilen kann so ziemlich jede und jeder hierzulande mitsingen. 2018 brachen Lo &amp; Leduc mit 079 s\u00e4mtliche Rekorde: Der Song stand 21 Wochen lang auf Platz 1 der Schweizer Single-Hitparade. Das Lied wurde ausserdem mit 6-fach-Platin ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Bereits davor produzierte das Berner Erfolgsduo Hits mit Ohrwurmcharakter wie All die B\u00fcecher, Jung verdammt und Blaui Peperoni, die Lorenz H\u00e4berli (35) und Luc Oggier (32) in den Schweizer Pophimmel hievten.<\/p>\n<p>So eine richtige Pause haben sich Lo &amp; Leduc seit den ersten grossen Erfolgen nie geg\u00f6nnt. Auch w\u00e4hrend des Lockdowns waren sie nicht unt\u00e4tig, t\u00fcftelten an neuen Liedern und irgendwann wurde das Potpourri an Songs so gross, dass sie gemeinsam mit den Produzenten entschieden: Es ist Zeit f\u00fcr ein neues Album.<\/p>\n<p>Am 18. Februar erscheint dieses nun, <a href=\"https:\/\/www.lo-leduc.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abMercato\u00bb<\/a> mit Namen. Einige Lieder davon haben sie bereits ver\u00f6ffentlicht, darunter Tribut, Ros\u00e9 und Benzin sowie Taxi Taxi. Im M\u00e4rz und April gehen Lo &amp; Leduc dann auf Mercato-Tour (siehe Box).<\/p>\n<p>Bis dahin ist jedoch noch etwas Zeit. Unter anderem f\u00fcr ein Interview mit FonTimes. Darin verraten sie, weshalb sie trotz Streaming und ver\u00e4ndertem H\u00f6rverhalten an die Bedeutung des Albums glauben, wie sie versuchen, die Leichtigkeit einer frischen Songidee w\u00e4hrend der Produktion beizubehalten und ob man sie auch wieder mit einem Leseprogramm auf den Kleinkunstb\u00fchnen sehen wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11998\" aria-describedby=\"caption-attachment-11998\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11998\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/lo-leduc-pressebild-1--1024x576.jpg\" alt=\"Lo &amp; Leduc\" width=\"600\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11998\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Maximilian Lederer<\/figcaption><\/figure>\n<pre><strong>Lo &amp; Leduc<\/strong> Lorenz H\u00e4berli (35) und Luc Oggier (32) wuchsen beide in Bern auf, studierten Geschichte und Germanistik. 2007 lernten sie sich kennen, seit 2009 sind sie als Band unterwegs und schafften 2014 mit ihrem Album \u00abZucker f\u00fcrs Volk\u00bb den Durchbruch. 2018 brachte ihnen der Hit 079 sechs Platinauszeichnungen ein und er stand 21 Wochen lang auf Platz 1 der Schweizer Single-Charts \u2013 Rekord. 2015 gewannen sie Swiss Music Awards in drei verschiedenen Kategorien. Dies schaffte vor ihnen erst Stress 2008. Auch haben Lo &amp; Leduc bereits mehrere Prix Walo in ihrem Palmar\u00e8s stehen. Am 18. Februar erscheint ihr siebtes Album \u00abMercato\u00bb.<\/pre>\n<p><strong>Lo &amp; Leduc, am 18. Februar erscheint euer neues Album \u00abMercato\u00bb. Ein sehr abwechslungsreiches Album, auf dem in vielen St\u00fccken implizit und explizit Gef\u00fchle angedeutet werden, die sich teilweise gar nicht so recht beschreiben lassen. Unter anderem auch in Zw\u00fcschezit. Beschreibt der Song auch, wie ihr euch wie so viele Menschen im Moment f\u00fchlt? Das Gef\u00fchl einer lange andauernden Zwischenphase, in der so vieles auf Pause gedr\u00fcckt ist und man nicht weiss, wie lange noch.<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Zumindest f\u00fcr mich ist Zw\u00fcschezit kein Pandemiesong, sondern eine Reflexion \u00fcber eine Paarbeziehung. Obwohl die urspr\u00fcngliche Songidee tats\u00e4chlich einen Bezug zur Pandemie hat, geht es um Liebe, es ist eine Ode an den Augenblick.<\/p>\n<p>L\u00e4sst man sich wirklich auf jemanden ein, bedeutet dies immer auch, im Jetzt zu sein. In einem negativen Sinne deckt sich dies mit der durch die Coronapandemie entstandenen Situation: Wir wissen nicht, wie es weitergeht und m\u00fcssen jeden Tag aufs Neue bereit sein, auf Ver\u00e4nderungen zu reagieren.<\/p>\n<p><strong>Ein \u00abreiner\u00bb Pandemiesong ist auf dem Album nicht zu finden.<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Nein, jedoch stellt sich auch immer die Frage, ob man die Lieder als Pandemiesongs interpretiert, weil wir aktuell eine solche haben oder ob es tats\u00e4chlich Pandemiesongs sind. In den letzten eineinhalb Jahren hatten wir bei jedem unserer neuen Songs irgendwann das Gef\u00fchl, man kann eine Verbindung zur Pandemie herstellen.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem hat die Coronapandemie einen Einfluss auf praktisch s\u00e4mtliche Bereiche unseres (Zusammen)lebens. Wie sehr hat sich dadurch die Produktion von \u00abMercato\u00bb ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Wir haben uns dadurch verst\u00e4rkt Inseln schaffen m\u00fcssen \u2013 nur schon in organisatorischer Hinsicht. Wenn wir beispielsweise mit unseren Produzenten einige Tage irgendwo hinwollten, war dies jeweils von logistischen Unsicherheiten begleitet.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckzugsorte, die wir f\u00fcr die Produktion brauchen, sind noch wichtiger geworden. Nur schon, um aus den eigenen vier W\u00e4nden rauszukommen und in einem isolierten Kontext Musik machen zu k\u00f6nnen. Wir haben uns f\u00fcr das Tessin als unsere Insel entschieden, weil wir dort ein Haus f\u00fcr die Zeit beziehen konnten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12004\" aria-describedby=\"caption-attachment-12004\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-12004\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/tessin--1024x1024.jpg\" alt=\"Das Team sitzt auf einer Veranda in Tessin.\" width=\"400\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12004\" class=\"wp-caption-text\">Die Equipe w\u00e4hrend der Albumproduktion im Tessin. Bild: Facebook Lo &amp; Leduc<\/figcaption><\/figure>\n<p>Lo: Tats\u00e4chlich war unser erster Ansatz, Songs zu produzieren und nicht, auf ein Album hinzuarbeiten. Dann kam die erste Welle und wir haben einige Remote-Sessions via Zoom mit Sir Jai von den Jugglerz (Produzenten von \u00abMercato\u00bb, Anm. d. Red.) durchgef\u00fchrt, Songschnipsel und Beats hin- und hergesendet. Erst im Sommer 2020 trafen wir uns erstmals wieder und ein Jahr sp\u00e4ter entschieden wir uns, ein neues Album zu produzieren.<\/p>\n<p>Es war entsprechend ein langsamer und langer Prozess und dadurch, dass wir isoliert mit dem Songwriting begannen, unterschied sich die Produktion tats\u00e4chlich. Das letzte Mal gab es dies vor rund zehn Jahren, als Luc f\u00fcr ein halbes Jahr verreiste und wir im Anschluss beide unsere Songideen einbrachten.<\/p>\n<p><strong>Immer mehr MusikerInnen arbeiteten bereits vor der Pandemie nicht mehr explizit auf ein Album hin. Vielmehr folgt ein Album, wenn es sich gerade ergibt. Dies unter anderem aufgrund der zunehmenden Wichtigkeit des Streamings f\u00fcr die K\u00fcnstlerInnen. Hat dies einen Einfluss darauf, wie ihr Musik macht?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Gerade weil wir damit gross geworden sind, h\u00e4ngen wir eigentlich immer noch sehr am LP-Format. Es kann dadurch ein sch\u00f6ner Bogen gespannt und Geschichten erz\u00e4hlt werden. Bloss einzelne Songs rauszuhauen, w\u00fcrde sich nicht wirklich gut anf\u00fchlen. Tatsache ist: Es kommen jeden Freitag tausende Songs raus und viele Werke gehen in dieser lauten Flut komplett unter.<\/p>\n<p>Die Herausforderung ist, solche Trends anzuerkennen, mit ihnen zu spielen und gleichzeitig nicht ins andere Extrem zu fallen und nur noch in fragmentierten Einzelst\u00fccken zu denken. Das Album als Gesamtpaket hat f\u00fcr uns einen ganz anderen Wert und ich glaube, dass so auch f\u00fcr die H\u00f6rerInnen ein l\u00e4ngerfristiger und wertvollerer Wert geschaffen werden kann.<\/p>\n<p><strong>\u00abMercato\u00bb entstand \u00fcber einen Zeitraum von fast zwei Jahren. Machte es dieser lange Zeitraum schwieriger, dass das Album schlussendlich aus einem Guss daherkam?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Ich glaube nicht. (\u00dcberlegt). Wobei, es hat ein St\u00fcck weit schon einen Compilation-Charakter.<\/p>\n<p>Leduc: Zu Beginn war dieser Mixtape-Charakter noch ausgepr\u00e4gter. W\u00e4hrend der Finalisierungsphase wurde das Ganze jedoch automatisch \u00abeingek\u00f6chelt\u00bb. Am Ende war ich sehr gl\u00fccklich, als ich realisierte, dass das Album als Ganzes funktioniert und die anf\u00e4ngliche Leichtigkeit immer noch h\u00f6rbar ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12001\" aria-describedby=\"caption-attachment-12001\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-12001\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/mercato--1024x915.jpg\" alt=\"Das Cover von Mercato.\" width=\"448\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12001\" class=\"wp-caption-text\">So sieht das Cover von \u00abMercato\u00bb aus. Bild: Facebook Lo &amp; Leduc<\/figcaption><\/figure>\n<pre><strong>Mercato-Tour<\/strong> Am 11. M\u00e4rz starten Lo &amp; Leduc ihre Mercato-Tour im Dachstock in Bern. Die Plattentaufe ist bereits ausverkauft, doch findet am Tag darauf ein Zusatzkonzert im Dachstock statt. Unter anderem f\u00fchrt sie die Tour auch in die Sch\u00fc\u00fcr in Luzern (16. April) und ins Exil in Z\u00fcrich (30. April). Im August sind weitere Konzerte in Schaffhausen, Spiez und Arbon geplant.<\/pre>\n<p><strong>Diese Leichtigkeit ist auf jeden Fall immer noch klar erkennbar. Ist dies eurer Meinung nach aktuell passend, da unter Umst\u00e4nden gerade jetzt viele Leute genau das brauchen?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Ich weiss nicht, ob die Songs so viel mit der aktuellen Zeit zu tun haben und nicht eher mit uns und den neuen Herausforderungen, denen wir uns beim Songwriting annehmen. Was ich aktuell sehr spannend finde, ist, wie man es schaffen kann, von einer ersten losen Songidee bis zum fertigen Lied die Leichtigkeit nicht zu verlieren.<\/p>\n<p>Man kann sich nat\u00fcrlich die Frage stellen, welche Musik in einer f\u00fcr viele Menschen schwierigen Zeit erscheinen soll. Ich f\u00e4nde es wohl tats\u00e4chlich schwierig, in einer solchen Phase kompromisslose Gute-Laune-Musik zu ver\u00f6ffentlichen. Auf der anderen Seite will man mit seiner Musik die Leute nicht noch weiter runterziehen.<\/p>\n<p>Lo: Wir fanden in dem Sinne einen Zwischenweg, als dass wir mit Ei Hand die anderi den zeitgebundensten und explizitesten Song bereits im Vorfeld und ausschliesslich auf Youtube ver\u00f6ffentlichten. So steht dieser quasi etwas ausserhalb.<\/p>\n<p><strong>Mit Ei Hand die anderi bezogt ihr klar Stellung im Vorfeld zur Abstimmung \u00fcber die Pflegeinitiative. Ihr \u00e4ussert euch auch sonst politisch, nicht nur in euren Songs. War es ein Prozess, um dahin zu gelangen, zu sagen, hey, wir alle tragen eine Verantwortung und m\u00fcssen den Mund aufmachen und Haltung zeigen?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Im Prinzip ist man immer politisch und alles ist politisch. Auch wenn man den Mund nicht aufmacht, ist dies politisch. Es war in dem Sinne ein Prozess, als dass wir durch die explosionsartige Steigerung unseres Bekanntheitsgrades pl\u00f6tzlich deutlich gr\u00f6ssere Resonanzr\u00e4ume hatten.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich hat aber jede und jeder Resonanzr\u00e4ume, und es gilt sich zu \u00fcberlegen, wo und wie man Haltung zeigen will, oder eben nicht. An unserem Familientisch wurde immer rege \u00fcber Politik diskutiert, und deshalb schien mir dies \u2013 unabh\u00e4ngig von meinem Beruf \u2013 als dringliche Notwendigkeit.<\/p>\n<p>Lo: Ich bin erst sp\u00e4ter politisiert worden. Meiner Meinung nach war es nicht bloss ein Prozess, es ist jeden Tag wieder einer. Als Kulturschaffender wirst du immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob du zu diesem oder jenem Thema Stellung beziehen sollst und falls ja wie und wann: Lieber die Botschaft in einen Song verpacken? Oder lieber ein Post auf Social Media? Die Frage, wie man diese Resonanzr\u00e4ume sinnvoll f\u00fcllt, begleitet einen st\u00e4ndig \u2013 gerade als weisse Cis-M\u00e4nner.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11999\" aria-describedby=\"caption-attachment-11999\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11999\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/abstimmen--1024x576.jpg\" alt=\"Lo &amp; Leduc halten einen Stimmzettel vor die Kamera.\" width=\"600\" height=\"338\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11999\" class=\"wp-caption-text\">Lo &amp; Leduc scheuen sich nicht davor, politisch Haltung zu zeigen. Bild: Instagram Lo &amp; Leduc<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zumal sich diese Resonanzr\u00e4ume auch st\u00e4ndig ver\u00e4ndern. Gab es einen Moment, an dem ihr realisiert habt, eine Stimme zu haben, die geh\u00f6rt wird und entsprechend nutzen k\u00f6nnt?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Auch dies war ein Prozess. Ab und an erhalten wir Mails \u00e0 la \u00abbleibt doch bei euren \u2039Liedli\u203a und spielt nicht Politiker\u00bb. Es ist ein recht abenteuerlicher Ansatz, wenn man der \u00dcberzeugung ist, einzig PolitikerInnen sollen sich politisch \u00e4ussern und handeln. Dabei sollte die Beteiligung am politischen Prozess so breit abgest\u00fctzt als m\u00f6glich sein und m\u00f6glichst viele unterschiedliche Akteure involvieren.<\/p>\n<p><strong>Kann es zu einem Balanceakt werden, dass man irgendwann nicht mehr prim\u00e4r f\u00fcr sein k\u00fcnstlerisches Schaffen wahrgenommen wird?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Es ist in der Tat ein Abw\u00e4gen. W\u00fcrde man politische Dossiers eins zu eins \u00fcbersetzen und in seine Songs packen, verk\u00e4me man irgendwann zum Partei-Rapper, zur Kommunikationsabteilung einer Organisation.<\/p>\n<p><strong>Stellt diese Gefahr, als \u00absingenden Flyer\u00bb wahrgenommen zu werden, f\u00fcr euch eine rote Linie in eurem Schaffen dar?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Ich glaube nicht, dass es auf inhaltlicher Ebene eine konkrete rote Linie gibt. Als MusikerIn vermittelt man immer gewisse Inhalte. Auch explizit unpolitische Songs haben eine politische Dimension, indem sie diesen Aspekt ausklammern. Aber es gibt schon Dinge, die wir wohl nicht tun w\u00fcrden. Beispielsweise bei der Delegiertenversammlung einer Partei aufzutreten.<\/p>\n<p><strong>Wie habt ihr auf \u00abMercato\u00bb versucht, neue Anreize zu schaffen? Sowohl in musikalischer Hinsicht als auch in Bezug auf das Songwriting.<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Die gr\u00f6sste Freude bereiten einem meist Songideen. Anschliessend folgt eine grobe Ausformulierung und es entsteht eine Liedskizze. Nun gilt es, diese in eine Songstruktur zu giessen, ohne das anf\u00e4ngliche Gef\u00fchl, woraus die Songidee entstand, zu verlieren.<\/p>\n<p>Genau dieser Herausforderung, dass die Songs im Verlaufe des Prozesses nicht steril werden, stellen wir uns aktuell. Beispielsweise bei Taxi Taxi ist uns dies sehr gut gelungen.<\/p>\n<p>Leduc: Genau, es geht darum, eine Stimmung zu transportieren. Wenn man es stilistisch runterbrechen m\u00f6chte, befinden wir uns aktuell nicht prim\u00e4r in linearen Geschichten, sondern eher in Collagen und Assoziationen.<\/p>\n<p>Beispielsweise in Zw\u00fcschezit fragt man sich als H\u00f6rerIn im ersten Moment vielleicht, inwiefern die eine Zeile mit der n\u00e4chsten zusammenh\u00e4ngt, doch f\u00fcr uns f\u00fchlen sie sich in dieser Kombination richtig an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12005\" aria-describedby=\"caption-attachment-12005\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-12005\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/konzert--1024x683.jpg\" alt=\"Lo &amp; Leduc auf der B\u00fchne\" width=\"600\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12005\" class=\"wp-caption-text\">Bald k\u00f6nnen Lo &amp; Leduc endlich wieder auf Tour gehen. Bild: Facebook Schaffhausen in Bildern<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ihr sprecht das Collagenartige an. Dies kann die Songs f\u00fcr den H\u00f6rer oder die H\u00f6rerin etwas weniger zug\u00e4nglich machen, der Mitsing-Faktor wird reduziert. Seid ihr bereit, weniger Kompromisse einzugehen im Vergleich zur Vergangenheit? Gerade weil ihr kommerziell \u00e4usserst erfolgreich unterwegs seid und ein sehr breites Publikum erreicht.<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Grunds\u00e4tzlich ist immer Druck da, dass sich die Musik verkaufen muss. Man versucht jeweils, dies beim Songwriting auszublenden. Doch w\u00e4re es anmassend, zu denken, es habe keinen Einfluss. Generell trauen wir unseren H\u00f6rerInnen sehr viel zu, dass sie mit uns wachsen.<\/p>\n<p>Als K\u00fcnstlerIn gilt es stets, ein Mittelmass zu finden, wie weit man sich immer wieder neu erfinden m\u00f6chte und wann es auf der anderen Seite eine Wiederholung vergangener Werke ist.<\/p>\n<p>Ein Musiker, der dies aktuell brillant umsetzt, ist Stromae. Nach acht Jahren kommt er zur\u00fcck und in jeder Sekunde seiner neuen Werke h\u00f6rt man seine DNA raus \u2013 ohne dass es Duplikationen seiner vergangenen Hits w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Bei euch ist das Songwriting eine Co-Produktion. Kann das zu Konflikten f\u00fchren, wenn jemand mit einem Song kommt, bei dem er das Gef\u00fchl hat, dieser ist praktisch ausgereift und funktioniert so und der andere nimmt den Song dann trotzdem nochmals auseinander?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Die ganze Zeit. Ich finde das jedoch grossartig. Wir sind selbst unsere gr\u00f6ssten Kritiker mit dem zweitgr\u00f6ssten Kritiker, der direkt daneben sitzt und dem dritt- und viertgr\u00f6ssten, die ebenfalls im Studio sind.<\/p>\n<p>Da ist es ein st\u00e4ndiges Aushandeln, wann ein Song f\u00fcr uns beide und die Produzenten funktioniert. Wenn wir beim Gef\u00fchl bleiben, das jemand im Song transportieren m\u00f6chte: Kommt einer von uns mit einem solchen Gef\u00fchl ins Studio, muss er dieses erst den anderen vermitteln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Entweder findet man durch viel Kommunikation eine gemeinsame Ebene oder man muss die Songidee unter Umst\u00e4nden dem anderen \u00fcberlassen. Dass einer von uns bei einem Song den Lead innehatte, gab es bei \u00abMercato\u00bb mehrmals, zum Beispiel bei Zw\u00fcschezit oder Affogato. Fr\u00fcher achteten wir st\u00e4rker auf ausgeglichene Singanteile.<\/p>\n<p><strong>Kann dies auch schmerzen, wenn man eine Songidee, f\u00fcr die man Feuer und Flamme ist, aufgeben muss, weil dieses Feuer beim anderen nicht ankommt?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Dann war die Zeit einfach noch nicht reif f\u00fcr den Song und er oder Teile davon entstehen zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt. Das aktuelle Album enth\u00e4lt Liedzeilen, die zehn oder 15 Jahre alt sind. Im ersten Moment mag es weh tun, aber wenn die Idee gut ist, kommt zumindest ein Teil davon sp\u00e4ter zum Einsatz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12003\" aria-describedby=\"caption-attachment-12003\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-12003\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/tribut-.jpg\" alt=\"Drei Leute pr\u00e4sentieren ihre Platintafeln vor einem Zirkuszelt.\" width=\"400\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12003\" class=\"wp-caption-text\">Auch der Song Tribut erreichte Platinstatus. Bild: Facebook Lo &amp; Leduc<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Im Gegensatz zu anderen MusikerInnen und Bands wart ihr in letzter Zeit nicht ganz auftrittslos. Die bislang letzten Auftritte waren am Zauberwald Lenzerheide am 17. Dezember und am Touch the Mountains in Interlaken am 1. Januar. Am 11. M\u00e4rz startet dann die Mercato-Tour im Dachstock in Bern. Wie wichtig ist es, dass die auftrittslose Zeit nicht zu lange dauert, damit die Chemie auf der B\u00fchne nicht verloren geht?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Wir haben gemerkt, dass man sich relativ schnell von dieser B\u00fchnenrolle entfernt. Doch die Automatismen auf der B\u00fchne klickten sehr schnell wieder und wir leckten umgehend wieder Blut. Klar ist: Wenn man viele Konzerte spielt, spielt man auch bessere Konzerte.<\/p>\n<p>Leduc: Steht die Maschine mit uns, Band, TechnikerInnen etc. f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit still, muss sie erst wieder ins Laufen gebracht werden. Entsprechend kr\u00e4ftezehrend ist das Stop-and-Go. Die Mercato-Tour werden wir als DJ-Tour mit DJ Mo bestreiten, was sich durch das Mixtape-Feeling des Albums anbietet. Wir freuen uns sehr auf diese Konzerte!<\/p>\n<p><strong>Wie habt ihr die konzertfreie Zeit erlebt?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Ich realisierte, dass mir der Rummel und die \u00d6ffentlichkeit nicht wirklich gefehlt haben. Konzerte zu spielen ist etwas vom Gr\u00f6ssten, doch ist es nicht die Aufmerksamkeit, die ich brauche. Es ist das Machen selbst.<\/p>\n<p><strong>Ihr wart auch mit einem Leseprogramm auf Tour: \u00abW\u00f6rter wie wir\u00bb. Wird man euch irgendwann mit einem neuen Programm wieder auf den Kleinkunstb\u00fchnen sehen?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Das ist der Plan.<\/p>\n<p>Leduc: Es bietet sich auf jeden Fall an, denn wir werkeln sowieso die ganze Zeit an Texten rum. Es war kein einmaliger Ausflug, sondern vielmehr eine weitere M\u00f6glichkeit, wie wir gewisse Themen beackern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Themen, die sich schwer in Songs packen lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Leduc: Genau. Manche sind zu komplex, um sie in einem dreimin\u00fctigen Song zu verarbeiten. Oder wir sind punkto Songwriting einfach noch nicht so weit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12002\" aria-describedby=\"caption-attachment-12002\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-12002\" src=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/lesetour--857x1024.jpg\" alt=\"Das Plakat zum Leseprogramm zeigt das Duo in weissen T-Shirts vor einem orangem Hintergrund.\" width=\"400\" height=\"478\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12002\" class=\"wp-caption-text\">Wann werden wir Lo &amp; Leduc mit einem neuen Leseprogramm auf den Kleinkunstb\u00fchnen sehen? Bild: Instagram Lo &amp; Leduc<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Halfen euch diese Auftritte manchmal auch, euch wieder zu erden nach Auftritten vor Tausenden von Leuten?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Ich glaube nicht, dass wir das Bewusstsein verlieren, dass wir weiter hart arbeiten m\u00fcssen. Auch nach grossen Konzerten nicht. Es ist einfach eine ganz andere Form des Auftretens: viel intimer und so auf eine Art viel schwieriger.<\/p>\n<p>Bei einer Lesung kannst du jedem und jeder aus dem Publikum in die Augen schauen und erh\u00e4lst weniger R\u00fcckmeldung: Kein Klatschen und Mitsingen wie bei Konzerten. Entsprechend muss bei Lesungen eine neue Selbstsicherheit auf der B\u00fchne gewonnen werden.<\/p>\n<p><strong>Schauen wir zum Schluss noch etwas voraus. Mit der anstehenden Mercato-Tour ist das Programm grossmehrheitlich gesetzt. In welche Bereiche ausserhalb der Musik w\u00fcrdet ihr gerne mehr Zeit investieren?<\/strong><\/p>\n<p>Lo: Vielleicht mehr Sport treiben? Musiker ist ein Job ohne Ende \u2013 der jedoch sehr viel Spass macht. F\u00fcr mich stimmt es eigentlich, was und woran wir arbeiten.<\/p>\n<p>Leduc: Ist ein Projekt abgeschlossen, denkt man musikalisch bereits wieder weiter. Entsprechend wird der Fokus weiterhin auf der Musik liegen.<\/p>\n<p>Weitere Artikel wie diesen findest du <a href=\"https:\/\/www.ftmedien.ch\/e-paper\/zug\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lo &amp; Leduc melden sich mit ihrem neuen Album \u00abMercato\u00bb zur\u00fcck. Wobei sie gar nie wirklich weg waren. Und ihre Hits sowieso immer noch jede und jeder im Ohr hat. 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